Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Article
- Die bayerischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
- Date
- 1902-10-01
- Page
- 552 (sequence 4)
- Language
- German
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552 Im deutschen Reich. ich in solchen Dingen das Wort ergreife, sagen: Bis hierher und nicht weiter! Solange der Nachweis, daß in speciell bayrischen Verhältnissen derartige Mißverhältnisse unter den Juden existieren, nicht gebracht wird, so lange muß ich die Aeußerungen und Schlußfolgerungen des Herrn Dr. Rahinger als nicht zutreffend nach jeder Richtung bezeichnen und auf das Entschiedenste Zurückweisen." — Der freisinnige Dr. Günther secundierte und bezeichnete die Methode des Dr. Ratzinger, für alles, was im Volke nicht in Ordnung ist, die Bekenner einer bestimmten Religion oder die Angehörigen einer Raffe verantwortlich zu machen, als eine sittlich unzulässige Methode des Kampfes. Man sieht, der Antisemitismus kennt kein Ansehen der -Person und achtet nicht die Würde des Charakters. In wessen Bilde aber wäre diese Würde des Charakters überzeugender zur Erscheinung gekommen, als in der Person C. Maison's? Eine Schilderung seiner Charaktereigenschaften können wir nicht besser geben, als mit den Worten, die wir am Schluffe dieser Darstellung aus dem Nachruf hervorheben wollen, den ihm Rabbiner Dr. Werner gewidmet: „C. Maison gehörte zu den Naturen, welche durch die harmonische Versöhnung von Gegensätzen das Weihemal einer hervorragenden Persönlichkeit empfangen haben. Es giebt Männer mit Hellem Geiste, aber ohne tiefes Gemüth; diese lassen uns kalt. Es giebt wiederum Männer, in deren Busen ein warmes Herz schlägt, die aber des klaren Blickes entbehren; diese erscheinen uns als Schwärmer. Die Menschen aber, deren Kopf hell und deren Herz warm ist, sind die begnadeten Naturen, welche mit ihren Gaben Großes erreichen können. Bei unserem Verklärten wiffen wir nicht, ob seiner natürlichen Faffungskraft oder seiner innigen Gemüthstiefe die Palme gebührt.Die Beredsamkeit, die ihn auszeichnete, was war sie anders, als das zum Wort gewordene Denken und Empfinden? Denn nicht der Geist allein macht beredt und reißt hin und nicht das Gemüth allein vermag zu dauernden Thaten anzuspornen; aber wer mit Geist und Herz spricht, den hat der Genius der Beredsamkeit geküßt, jener Kunst, die unser Verklärter in den Dienst alles Guten gestellt hat." Maison war an den Folgen einer Erkältung, die er sich auf dem Bodensee zugezogen, schon im Alter von 56 Jahren dem Tode verfallen und am 29. Oktober 1896 mitten aus weit verzweigter Thätigkeit gerissen worden. Seine Beerdigung, an welcher mit zahlreichen Notabilitäten der Ministerpräsident Freiherr v. Crailsheim und der Landtagspräsident v. Walter sich betheiligten, legte Zeugntß ab von der Anerkennung, die er sich erworben. Die zahlreichen Redner,