Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1902)
- Article
- Die bayerischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
- Date
- 1902-10-01
- Page
- 551 (sequence 3)
- Language
- German
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Die bayerischen Parlamentarier jüdischen Glaubens. 551 anderen in den Hintergrund treten müssen, sondern geradezu eine Frage von moralischer Bedeutung, weil eine Frage der ausgleichenden Gerechtigkeit. Das Wohl und Wehe Deutschlands ist nicht von einem einzelnen Stande abbängig zu wachen, sondern beruht auf Solidarität der Interessen des Handels und der Landwirtschaft, zwischen welchen ein Ausgleich gefunden werden muß. In der Zeit der antisemitischen Hochfluth, deren trübe Gewässer auch über die Schwellen der Parlamente hinüberspritzten, hatte ein Mann wie Maison die Gelegenheit, nicht nur durch seine Person und seine Erscheinung auch für die Ehre des jüdischen Kaufmanns zu wirken, sondern auch Schmähworte und Angriffe gegen seine Glaubensgenossen zurückzuweisen. So z. B. mit folgender Bemerkung vom Jahre 1896: „Der Abgeordnete Ehrhart hat sich dagegen verwahrt, antisemitische Empfindungen zu haben. Ich begrüße eine derartige Erklärung und sage, daß er auch dazu keinen Grund hat. Aber der Abgeordnete hat gleichzeitig erwähnt, daß die Arier auch dieselben Schliche gehen wie Andere. Damit hat er auch Nichtariern diese Schliche insinuiert. Dagegen muß ich mich feierlich verwahren." Besonders hat sich der famose Dr. Ratzinger keine Gelegenheit entgehen lassen, mit seinen geschmacklosen Aeußerungcn über die Juden die unfreiwillige Heiterkeit seiner Hörer zu erregen. In der Sitzung vom 18./5. 1896 sprach er sogar von der „Judaisierung der Kunst", indem er dabei aus die Nachbar-schaft der Synagoge und des Künstlerhauses in München exemplificierte. Darauf erwiderte Maison: „Ich kann das Zcugnih für mich in Anspruch nehmen, daß ich mich in solchen Dingen ziemlich reserviert verhalten habe. Aber wenn man aus der zufälligen Nähe der Synagoge und des Künstlerhauses den Schluß ziehen will, daß das typisch sei für das Verhältniß der Kunst zum heutigen gesellschaftlichen Leben, dann muß ich sagen, daß hier ein Vergleich gefunden wurde, der beiläufig zusammenpaßt wie eine Mücke mit einem Elephanten. Herr vr. Ratzinger weiß so gut wie ich, daß die Sammlungen und die großen Vermögen in Deutschland durchaus nicht in den Händen von Juden sind. Es giebt unter denselben ja reiche Leute. Der große Theil derselben aber ist auch arbeitsam, strebsam und fleißig, und speziell in Bayern sind die Angriffe, welche Herr Dr. Ratzinger sich zur Gewohnheit macht, durchaus nicht angebracht. M. H.! Alles, was recht ist. Aber einmal reißt der Faden der Geduld, und wenn die Juden nur dazu da sein sollen, daß man auf sie hinaufhaut und einfach alles Ueble, was in einem Lande existiert, auf die Juden zu wälzen beabsichtigt, so muß ich, so ungerne