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Im deutschen Reich · 1902-10-01 · Heft 10 (Oktober 1902) · p. 550

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 10 (Oktober 1902)
Article
Die bayerischen Parlamentarier jüdischen Glaubens
Date
1902-10-01
Page
550 (sequence 2)
Language
German
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550 Im deutschen Reich. begründete, wurde er im Alter von 30 Jahren von seinen Berufsgenossen zu ihrem Vertreter in der oberbayerischen Handels- und Ge- Werbekammer, deren II. Vorstand er später wurde, erwählt. Sein weitschauender Blick und seine kaufmännische Bildung, die er in einsamen Feierstunden zu vertiefen und auf großen Auslandsreisen zu erweitern unablässig bestrebt war, verhalfen ihm bald zu einer maßgebenden Stellung in dieser Körperschaft, und die außerordentliche Thätigkeit, die er da entfaltete, wurde die Brücke, auf welcher der bescheidene Mann zur Beachtung eines größeren Kreises seiner Mitbürger gelangte. So kam es, daß die Residenzstadt München zum zweiten Male und diesmal im Jahre 1887 zu einer Zeit, wo die antisemitische Bewegung auch in München bereits große Verheerungen angerichtet hatte, einen Juden als ihren Vertreter in den Landtag entsandte. Das Volk von München hatte diese Wahl nicht zu bereuen. Denn in einer Zeit, wo die socialen Fragen in den Vordergrund der allgemeinen Jntereffen gerückt waren, war ein Mann am Platze, der, hervorgegangen aus der Praxis und begabt mit einem feinen Gefühle für die Stimme des Volkes und mit einem offenen Auge für die Bedürfnisse des öffentlichen Lebens, von größern kaufmännischen Gesichtspunkten ausgehende Gedanken in schlichter Rede und mit einem geradezu wissenschaftlichen Ernst zu entwickeln und vorzutragen verstand, welche Ziel und Richtung hatten auf die Praxis. Oft waren seine Reden von lebhaftem Beifall auf beiden Seiten des Hauses begleitet. Je länger er Mitglied der Kammer war, desto mehr entwickelte er sich zu einem der bedeutendsten Fachmänner in Fragen des Verkehrs und der Handelspolitik. Die „Franks. Ztg." nannte ihn,, den einzigen Mann der bayrischen Abgeordnetenkammer, der es verstand,- mit umfassender Sachkenntniß, mit klarem praktischen Urtheil und weitschauendem Blick die großen Handels- und Verkehrsfragen zu behandeln", und bezeichnete sein Scheiden als einen Verlust, für den ein Ersatz nicht in Aussicht sei. In Maison war das Gewissen des Kaufmanns in der Kammer persönlich geworden. Daher sein Kampf für die Ehre des Kaufmannsstandes, daher auch sein Kampf gegen unlauteren Wettbewerb und alles Unsolide, das gerade der jüdische Kaufmann mit stammenden Worten gebrandmarkt hat. Die großen Vermögen, die in den Händen Einzelner sich anhäufen, nannte er einen „Magnetberg", der alles an sich zieht, und darum eine Gefahr für das wirthschaftliche Leben. Der Kaufmann hat durch die Exportindustrie den deutschen Namen groß gemacht in der Welt, und darum ist die Erhaltung des ausländischen Marktes nicht nur die politische Frage, vor welcher alle

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