Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- Impressionen [Rezension]
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 532 (sequence 6)
- Language
- German
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532 Hm deutschen Reich. Lungskunst genügt, um Zu erkennen, daß der Verfasser jenes Buches wahrlich nicht zum Lehrer der Menschheit und jedenfalls nicht zum Lehrer derjenigen, die er bessern will, berufen ist. Weder versteht er, wirklich Zu beobachten, noch kennt er auch nur diejenigen, die er verunglimpft, obgleich er, was die von ihm gerügten Fehler betrifft, gewiß in erster Linie Zu ihnen gehören würde. Wenn wir uns trotzdem mit jenem Buche und insbesondere mit dem einen Artikel, dem taktloser Weise die, wie Herr Rathenau doch vielleicht gelernt hat, den Juden so heiligen Worte „Höre Israel" als Überschrift gegeben worden sind, befaßt haben, so liegt es daran, weil gar mancher durch den Stil des Herrn Rathenau sich blenden lassen könnte (ein Stil, der allerdings auch wiederum mit seiner unendlichen Häufung von Fremdwörtern an denjenigen Stellen, wo mau mit guten deutschen Worten dasselbe sagen könnte, sich als recht undeutscher erweist) und weil bei der Stellung des Herrn Rathenau, der bis vor kurzem Direktor einer Aktiengesellschaft war und jetzt Direktor einer großen Bank geworden ist, dem Verfasser jener Zeilen von mancher Seite gar eine gewisse Autorität beigemesien werden konnte. Herr Ralhenau will vor allem beweisen, daß die Juden undeutsch sind und bleiben. Er hat nur bewiesen, daß er und die Personen seines Umganges es sind. Wenn Rathenau wirklich selbst glaubt, die Juden, die länger in Deutschland sind, als die meisten deutschen Stämme, seien Asiaten und deohalb nicht fähig, deutsch zu sein, so mag er die Worte des Deutschen Kaisers, welche gelegentlich der Posener Festtage gefallen sind, sich gesagt sein lassen: „Das Königreich -Preußen setzt sich aus vielen Stämmen zusammen, welche stolz sind auf ihre frühere Vorgeschichte und ihre Eigenart. Das hindert sie jedoch nicht, vor allen Dingen brave Preußen zu sein." Setzen wir an Stelle des Königreichs Preußen das „Deutsche Reich" und an Stelle der Preußen „Deutsche", so hat Herr Rathenau den Hinweis auf dasjenige, woran es ihm leider völlig gebricht: das Bewußtsein, daß man ein guter Jude und ein echter deutscher Mann sein kann, und daß, wenn man stolz auf die Geschichte der Juden und auf ihre Eigenartist, man deshalb nicht auszuhören braucht, kerndeutsch zu seiu. Herr Rathenau ermahnt uns, Deutsche zu werden! Nun, er selbst mag sich vielleicht noch nicht als Deutscher fühlen, wir sind cö stets gewesen und werden es treu bleiben, auch wenn der Staat uns weiter unser verbrieftes Recht verkümmern sollte. Rathenau hofft auch, daß der Staat (wenn wir zu Deutschen erzogen sein werden!) so gütig sein wird, „eine Handvoll" von uns mit Offiziers- und Beamtenstellen zu begnadigen, und