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Im deutschen Reich · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. 533

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
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Date
1902-09-01
Page
533 (sequence 7)
Language
German
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Vucherschau. 533 jeder Leser seiner Schrift suhlt, wen der anmaßende Verfasier in erster Linie berechtigt glaubt, unter jene „Handvoll" ausgenommen zu werden! Wir wollen keine Gnade, sondern unser Recht, wir wollen nicht, daß einige wenige bevorzugt werden, weil sie blonde Haare und blaue Augen haben: wer durch Character und durch Leistungen sich auszeichnet, soll Staatsanstellungen erhalten ohne Ansehen der Person und seiner Beziehungen! Indem wir hierfür kämpfen, bis das Recht jedes Deutschen verwirklicht sein wird, dienen wir unserem Vaterlande und erweisen wir uns als echte und rechte deutsche Männer! Herr Rathenau ruft einmal in seiner Schrift den Juden zu: „Eure Reichen sind weniger geachtet, als eure Armen." Wenn wir recht berichtet sind und wenn Herr Rathenau mit gleichen Publikationen fortfahren wird, hat er alle Aussichten, einmal zu den ganz Reichen zu gehören! 21. H. Im Dienste der Menschlichkeit. Festspiel zur Hundertjahrfeier der Jacobsonschule in Seesen von Hermann Jahn. Im September vorigen Jahres beging die Jacobsonschule in dem kleinen Harzstädtchen Seesen ihre Hundertjahrfeier. Es war ein Fest, an dem nicht blos die ehemaligen und gegenwärtigen Schüler und Lehrer der Anstalt sich betheiligten, die deutschen Juden insgesammt durften im Geiste daran theilnehmen. Denn die Gründung dieser Schule wie des Philanthropins in Frankfurt a. M., dem das gleiche Fest bevorsteht, ist ein Markstein in der Geschichte der deutschen Iudenheit. Um die Wende des lft. Jahrhunderts, nach Mendelssohns unausgesetzten Bemühungen, die Juden für die deutsche Sprache und Eultur zu gewinnen, war die Zeit gekommen, wo opferwillige, einsichtsvolle und thatkräftige Männer mit Aussicht auf Erfolg es wagen durften, planmäßig die jüdische Jugend der deutschen Art und Bildung zuzuführen. Unter den Schriften und Gedenkblättern, die jenem seltenen Feste gewidmet waren, gewährt die Lektüre des Festspiels auch post lestum einen eigenen Reiz. Der Verfasser, Hermann Jahn, vormals Lehrer an der Jacobsonschule, jetzt Leiter einer höheren Lehranstalt in Vraunschweig, ist kein Dilettant. Er hat eine Reihe von Dichtungen, besonders vaterländischen Inhalts, Bilder der Erinnerung an den deutsch-französischen Krreg, in dem er selbst als Ojficier mitgefochten, veröffentlicht. Die Eomposition ist geschickt; der Schwung der Rede, die tiefe Empfindung, der poetische Ausdruck verrathen den Dichter; in dem jüdischen Culturbild, mit dem das Stück anhebt, bewährt der nicht-jüdische Verfasser ein feinfühliges, wohlthuendes

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