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Im deutschen Reich · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. 530

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
Impressionen [Rezension]
Date
1902-09-01
Page
530 (sequence 4)
Language
German
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$30 Im deutschen Reich. Brauch zu -sein. Das ist aber die Art, in welcher Herr Rathenau durchgehends seine „Impressionen" Anderen mittheilt. „Es besteht die unbestreitbare Wahrheit, daß die besten Deutschen einen Liefen Widerwillen gegen jüdisches Leben und Treiben hegen." Herr Rathenau sagt, daß die Antisemiten die besten Deutschen seien, es frommt also nicht, zu forschen, ob es wahr sei. „Den Besten unter Euch habt Ihr das Leben Zuwider gemacht, sodaß sie Euch den Rücken kehrten, und als sie abtrünnig wurden, habt Ihr nichts vermocht, als sie zu verwünschen; daher kommt es, daß es ihnen gut geht." Auch hier wird man sich lediglich auf die Autorität des Herrn Rathenau dafür verlassen müssen, daß Diejenigen, die in Zeiten der Bedrückung ihrer Glaubensgenossen zum Feinde übergehen, anstatt gerade jetzt das Bedürfniß, bei dem angestammten Glauben zu bleiben, in doppeltem Maße zu empfinden, gerade die Besten unter den Juden waren. Wenn aber Herr Rathenau fortfährt: „Gerade die Feinfühligsten entschließen sich zu einem ideellen Schritt (für einen solchen hält nämlich Herr Rathenau die Judentaufe) am schwersten, solange ein materieller Vortheil damit verknüpft ist", so wird es hier in der That schwer, an die Unbefangenheit des Verfassers zu glauben. Die Besten lassen sich nach seiner Behauptung taufen; die Feinühligsten thun es nicht, weil ein materieller Vortheil damit verknüpft ist. Sollte Herr Rathenau wirklich glauben, daß lediglich Idealismus heutzutage Juden zum Uebertritte treibt und daß ein solcher Schritt trotz seiner Idealität nur unterlassen wird, weil er auch materiellen Vortheil birgt? Man kann sich, wenn man die Schrift liest, des Eindruckes kaum erwehren, daß sie vielleicht nur darauf vorbereiten soll, daß der Verfasser jenen „ideellen" Schritt thut, und wir müssen offen bekennen: wenn man so denkt, wie Herr Rathenau, so erscheint es uns noch immer ehrenvoller, überzutreten und zu schweigen, als dadurch imponieren zu wollen, daß man, bei dem Glauben bleibend, seine Genossen beschimpft. Mildernd kommt für das Urtheil über Herrn Rathenau allenfalls in Betracht, daß er, pietäts- und traditionslos wie ein Sproß aus proletarischem Hause, keine Ahnung davon hat, daß und in welchem Maße er beschimpft. , Freilich sollte auch die gespreitzteste Selbstgefälligkeit nicht so sehr verblenden können, wie wir es hier sehen. So fehlt auch Herrn Rathenau jede Erkenntniß dafür, daß es den Juden keineswegs zur Schande gereicht, wenn sie Witze und kleine Scherze, welche auf Kosten von Juden gemacht werden, unter einander erzählen und belächeln. Würde Herr Rathenau in besseren

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