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Im deutschen Reich · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. 529

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
Impressionen [Rezension]
Date
1902-09-01
Page
529 (sequence 3)
Language
German
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Bücherschau. 529 viele Gläubige fanden, die die Wahrheit des Goethe'schen Satzes beweisen: „Gewöhnlich glaubt der Mensch, wenn er nur Worte hört, es müsse sich dabei doch etwas denken lassen!" Zu denjenigen nun, die einen bestechenden Stil schreiben und die im Stande sind, sich im Paradoxen zu ergehen, gehört Herr Rathenau. Und der Ruhm seiner congenialen Collegen im Schriftstellern hat ihn nicht ruhen lasien; er hat sich wegen seines Stils für einen Schriftsteller gehalten; die Mittel, das, was er schreibt, drucken zu lassen, stehen ihm zu Gebote, und so ist das Buch „Impressionen" veröffentlicht worden. — Herr Rathenau will durch Paradoxe wirken. Das ist die mildeste Deutung, die seinem Buche gegeben werden kann. Wollte man nicht dies annehmen, so würde das, was er in seinem ersten Artikel „Höre Israel" geschrieben, ihm eine weit schlimmere Einschätzung bei den Lesern eintragen muffen. Er hat geglaubt, es müsse verblüffend wirken, wenn ein Jude über seine Glaubensgenoffen (oder sagen wir auch mit ihm: Stammesgenoffen) lediglich Schlechtes zu berichten weiß, wenn er, von dem Uneingeweihte voraussetzen müssen, daß er als Jude doch die Juden kennen werde, der Welt verkündet, welche Fülle von Fehlern auf die Juden gehäuft sei. Und doch, wollte man nicht glauben, daß die Richtung auf's Paradoxe und die „dichtende" Phantasie den Blick des Verfassers der wirklichen Welt gegenüber völlig geblendet hat, so würde man aus seinem Buche nur die eine Auffassung schöpfen: Wie ungeheuerlich muß der Verkehr sein, den Herr Rathenau pffegt, in welcher Atmosphäre muß dieser Mann sich bewegen! Das müßte ja eine Umgebung sein, wie sie thatsächlich auch in den Kreisen, in denen Herr Rathenau verkehrt, garnicht verkommen kann! In den deutschen Juden erblickt Herr Rathenau eine „asiatische Horde", - einen „fremdartigen Menschenstamm, inmitten deutschen Lebens abgesondert", „kein lebendes Glied des Volkes, sondern einen fremden Organismus in seinem Leibe." Mit der Bescheidenheit, die ihn ziert, stellt Herr Rathenau derartige Behauptungen kühnlich auf, sich die Mühe irgend welcher Beweisführung ersparend, denn: „es frommt nicht, zu forschen, wie das geschah und auf welcher Seite die Schuld liegt." Weshalb nicht, Herr Rathenau? Wer Behauptungen aufstellt und wer namentlich gegen Andere Beschuldigungen ausspricht, hat doch wohl die Verpflichtung, einen Beweis dafür zu erbringen. Und nun gar vollends beschuldigen und die Behauptung als Axiom aufstellen und nicht einmal sich die Mühe nehmen, zu „forschen", ob man die Wahrheit gesagt, das Pflegt doch wohl noch nicht bei deutschen Schriftstellern

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