Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 514 (sequence 8)
- Language
- German
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514 Im deutschen Reich. Unterkunft bietet- Die Parterreräumlichkeiten enthalten die Wirthschaftsräume, Küche rc., die oberen Etagen, Schlaf- und Speisesäle, in ihrer Ausführung, wie Anlage, allen Anforderungen der Hygiene entsprechend. Auf dem rückwärts gelegenen Terrain erhebt sich ein großer Schuppen, der die Arbeits-Werkstätten enthält, und ein besonderes Asylgebäude, das vorläufig seinen Zwecken noch nicht zugängig gemacht wurde. Der Deutsch-Israelitische Gemeindebund hat die Verwaltung des ganzen Unternehmens dem ad hoc gegründeten Vereine „Jüdische Arbeiter-Colonie" übertragen. Seit wenigen Monaten in Betrieb gesetzt, zählt die Arbeiter-Colonie heute schon 40 Colonisten, die dort aus tiefstem Elend heraus wieder zu brauchbaren Gliedern der menschlichen Gesellschaft geworden sind. Die feierliche Einweihung des Hauses leitete namens des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes Prof. Dr. Philippson ein, indem er den socialen Zweck der Schöpfung in beredten Worten erläuterte. Nachdem noch der Vorsitzende des Vereins „Jüdischer Arbeiter-Colonie", Maurermeister Adler, der sich die größten Verdienste um das Unternehmen erworben hat, im Einzelnen die Einrichtungen des Hauses und die Art des Betriebes auseinandergesetzt hatte, nahm Nabdiner!)r. Maybaum das Wort zur Einweihungsrede, deren formvollendeter und packender Inhalt die Zuhörerschaft auf's Aeußerste fesselte. Ein Nundgang durch die Colonie beschloß die erhebende Feier, durch die in weiteren Kreisen das regste Jnteresie für die Bestrebungen des Vereins „Jüdische Arbeiter-Colonie" geweckt worden ist. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hat alle Veranlassung, auch seinerseits diesem Unternehmen seine wärmste Sympathie zu widmen; beschränkt er seine Thätigkeit doch nicht allein auf die Uebung der Abwehr antisemitischer Uebergriffe, sondern er ist vom Beginn seiner Thätigkeit an darauf bedacht gewesen, alles das im Auge zu behalten und zu fördern, was die Quellen antisemitischen Hasses verstopfen kann. Dazu gehört auch ohne Zweifel die Bekämpfung der WanderbeLtelei, abgesehen davon, daß jene Unglücklichen doch meist selbst Opfer antisemitischer Vorurtheile in fremden Ländern sind. I. L. Die vom Deutsch-Israelitischen Gemeindebunde eingerichteten Fortbildungskurse für Cantoren beginnen in diesemJahre unmittelbar nach den hohen Feiertagen. Anmeldungen sind an Herrn Haupt- Cantor A. Friedmann, Berlin 6., Große Hamburgerftr. 38, zu richten. Die Kurse sind für qualificierte Theilnehmer unentgeltlich. . Am 23. August verschied unser in weiten Kreisen hochverehrtes Pereinsmitglied, Justizrath Dr. Eugen Apolant, der feit einer