Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- Berlin
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 515 (sequence 9)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 515 Reihe von Jahren der Repräsentanten-Versammlung der Berliner jüdischen Gemeinde angehörte und seit dem Beginn dieses Jahres Vorsitzender dieser Versammlung war. Bei dem dem Dahingeschiedenen bereiteten Ehrenbegräbnis erwähnte Rabbiner vr. Weiße die Leistungen des Verblichenen und rühmte seine aus dem Elternhause überkommenen religiösen Ideale. Sodann gab der stellvertretende Vorsitzende der Repräsentanten - Versammlung Geh. Sanitätsrath vr. Blumenthal im Namen des Kollegiums den Empfindungen der Verehrung und dem Gelöbniß treuen Gedenkens ergreifenden Ausdruck. Schließlich richtete Rabbiner vr. Blumenthal Worte des Trostes an die Hinterbliebenen. Ks Breslau, 15. Septbr. Die „Schlesische Ztg." empfing über Tumulte in der polnischen Stadt Czenstochau einen ausführlichen Bericht, dem wir Nachstehendes entnehmen: „Am 11. d. M. hatte in Czenstochau auf dem Obstmarkte ein Streit stattgefunden, bei welchem die christliche Frau von dem jüdischen Händler so mißhandelt wurde, daß sie sofort ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Der Gatte dieser Frau erregte nun durch sein Jammern die Volksmenge derart, daß in der ganzen Stadt eine vollkommene Judenhetze entbrannte. In die Fenster und Thüren der jüdischen Wohnungen und Läden wurde mit schweren Steinen geworfen. Wo sich ein Jude sehen ließ, wurde er mit Messern und Knütteln bearbeitet. Als nach mehreren Stunden endlich Militär heranrückte, wurde es ruhiger. Am Abend jedoch wurde der Tumult noch ärger. Mit Mühe gelang es den Soldaten, das Volk auseinanderzutreiben. In den Gaffen, welche zum größten Theil von Juden bewohnt sind, schritt aber das Militär nur zeitweise ein und zog wieder ab, sobald keine Exceffe vorkamen. So konnten dann die Aufrührer ungehindert ihre Wuth auslaffen. Die Verkaufsläden wurden aufgebrochen, die Maaren auf die Straßen geworfen oder sortgeschleppt. Militärische Patrouillen kamen nur vereinzelt an, wurden aber oft von der schreienden und mit Steinen werfenden Menge zurückgeschlagen. Mehnnals sah sich das Militär zum Gebranch der Feuerwaffe genöthigt, wobei fünf Menschen erschoffen wurden. Die Panik war furchtbar, niemand glaubte sich mehr seines Lebens sicher. Bis tief in die Nacht hinein tönten Schaffe und wilde Ruse. Die christlichen Familien stellten brennende Kerzen und Heiligenbilder in die Fenster und hielten auf diese Weise die Tobenden von sich fern. Erst als am Freitag Morgen von allen Richtungen her starke Kosakenabtheilungen eintrafen, zerstreute sich die Menge. Mehr als 100 Verhaftungen wurden vorgenommen." Der „Schles. Volkszeitung" wird gemeldet, daß über 600 Personen