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Im deutschen Reich · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. 513

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
Berlin
Date
1902-09-01
Page
513 (sequence 7)
Language
German
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Korrespondenzen. 513 da sie erwartet, daß man in Oesterreich ihren Begriff, von dem was ein abjolut gemeines Delikt ist, theilen werde. Das Antisemitenblatt bezeichnet es als eine „Gesinnungslumperei" des Liberalismus und der Sozialdemokratie, daß kein Organ dieser Parteien sich über die Verhaftung Böcklers entrüstet äußert, bekundet aber seine eigene „liberale" Gesinnung dadurch, daß es in Berlin einen nach russischem Muster gestellten Antrag auf Ausweisung aller Juden herbeiwünscht. Das „Organ für Pücklerei und Böcklerei" fügt hinzu: „Soviel steht jedenfalls fest, daß Berlin eine glücklichere und schönere Stadt wäre, wenn wir keine Juden hätten." Unter der Ueberschrift „§ 11" brachte dieser Tage die „Staatsbürger-Zeitung" folgende Berichtigung: „Zu unserem neulichen Artikel über Löhningerei sendet uns Herr Blankenburg, indem er sich uns nachträglich als Verfaffer des desavouierten Interviews vorstellt, nachfolgende ,Berichtigung" unter Berufung auf § 11 des Preßgesctzes: „Geehrte Redaktion! In der gestrigen Nummer Ihrer Zeitung schließen Sie Ihren Artikel „Die Löhningerei zieht immer weitere Kreise" mit dem Satze: „Das hat Herr Löhning davon, daß er sich mit einem Juden einläßt; jetzt muß er sich's gefallen lasten, daß seine Glaubwürdigkeit in Zweifel gezogen wird, und zwar seitens eines Herrn, dessen Interviews nicht zum ersten Male von den Betheiligten desavouiert worden sind." Demgegenüber ersuche ich Sie auf Grund des § 11 des Preßgesetzes in Ihrem Blatte von meiner Erklärung Notiz zu nehmen, daß bisher niemals eins meiner Interviews desavouiert worden ist. Achtungsvoll Heinrich Blankenburg." — Die Bemerkung, welche das Antisemitenblatt auch in diesem Falle an die Berichtigung knüpft, mindert nicht den Werth des heilsamen Preßgesetz-Paragraphen, vor welchem der antisemitische Mannessinn „muthig zurückzuweichcn" pflegt. Am 14. September fand unter reger Beteiligung die feierliche Einweihung des Hauses der „Jüdischen Arbeiter-Colonie" in Weißensee statt. Das zeitgemäße Unternehmen verdankt seine Entstehung dem Bestreben, der Wanderbettelei Abbruch zn thun und den Arbeitslosen und Heimathlosen Gelegenheit zu geben, durch redliche Arbeit wieder emporzukommen und sich eine neue Eristenz zu gründen. Ermöglicht wurde die Durchführung des gehegten Planes in erster Linie dadurch, daß der Rittergutsbesitzer Ludwig Meyer ein passendes Grundstück für diesen edlen Zweck kostenlos zur Verfügung stellte. Daffelbe liegt hinter dem katholischen Friedhofe in Weißensee, an einer für das Unternehmen sehr geeigneten, ringsum freien Stelle. Hier erhebt sich jetzt ein stattlicher, mehrstöckiger Bau, der für 100 Colonisten gesunde

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