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Im deutschen Reich · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. 511

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
Berlin
Date
1902-09-01
Page
511 (sequence 5)
Language
German
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Korrespondenzen. 511 leidigung mittelst der Presse angeklagt. Die „Staatsbürger-Zeitung" wird über die Prozeßverhandlung ausführlich berichten, und unsere Leser werden dann in der Lage sein, sich ihr Urtheil selbst zu bilden. Für heute kann es sich nur darum handeln, dem Versuch einer Stimmungsmach er ei für die bevorstehenden Verhandlungen entgegenzutreten." (Als ob der Artikel des Antisemitenblattes einen anderen Zweck hätte als „Stimmungsmacherei", Anmerkung der Redaktion.) „Der Konitzer Mord, das vor nunmehr 2V* Jahren an dem Gymnasiasten Ernst Winter verübte Verbrechen, ist bisher ungesühnt geblieben, und damit ist dem Konitzer Morde ein neues Merkmal gegeben, das ihn in die Reihe jener Morde rückt, die man schlechtweg als Ritualmorde bezeichnet." (Durch die höchsten wissenschaftlichen Gutachten ist vielmehr festgestellt, daß Ernst Winter ein Opfer seiner Ausschweifungen geworden ist! Anmerkung der Redaktion.) „Mit Fug und Recht wird man den Konitzer Mord mit den Morden von Tisza-Eßlar, Skurz und Lanten auf eine Stufe stellen können, die als unbeantwortete Fragezeichen in die heutige Zeit hineinragen". (Sehr richtig, denn in allen diesen Fällen ist klar und deutlich erwiesen worden, daß kein Jude an dem Verbrechen betheiligt war, die antisemitische Wühlerei nur den Thatbestand verdunkelte. Anmerkung der Redaktion.) „Alle jene Morde haben die gemeinsamen Merkmale, daß der Verdacht sich auf Grund bestimmter Thatsachen auf jüdische Thäter lenkte, daß die jüdischen Oberen und die jüdische Presse eine Verwirrungs- und Verdur.kelungsarbeit ohnegleichen zu Gunsten der verdächtigen Juden Vornahmen, daß die Behörden trotz aller sich jedem aufdrängenden Verdachtsmomente von vornherein die jüdische Thäterschaft ausschlossen mit der Begründung, es gebe keine Ritualmorde, und daß schließlich die Morde ungesühnt blieben." (Die Morde blieben nur ungesühnt, weil die ehrliche Arbeit der Behörden durch die beständigen Machenschaften der Antisemiten verwirrt wurde, welche den Verdacht durchaus auf Juden zu lenken versuchten und dadurch den Mördern die beste Gelegenheit zum Entschlüpfen boten. Anmerkung der Redaktion.) „Zum Schluß wollen wir die Hoffnung aussprechen, daß der bevorstehende Proceß neues Licht in das Konitzer Dunkel bringt und zur Ergreifung der Mörder und zur Sühne des Mordes führt." — Das hoffen wir auch, denn wenn diejenigen, welche die antisemitischen Berdunkelungsarbeiten betrieben haben, bestraft werden, wird es endlich Licht werden und auch auf den Schlupfwinkel der Mörder Winters ein heller Schein fallen. Die Dämmerung hat schon begonnen; die Sonne bringt es an den Tag!

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