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Im deutschen Reich · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. 499

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-09-01
Page
499 (sequence 8)
Language
German
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Umschau. 499 ermöglichen oder dieses den Mittelstand schwer schädigende Treiben zu beschönigen. Nachdem der Herausgeber der „Staatsbürger-Ztg.," Wilhelm Bruhn, als Gast des Grafen Pückler hoch zu Roß in Klein-Tschirne einem jener grotesken Reiterfcste beigewohnt hatte, deren häufige Veranstaltung anscheinend dem extravaganten Edelmann bei der Beurtheilung seiner Ausschreitung mildernde Umstände erwirkt hat, schilderte er den Verlauf des Festes in einem überschwenglichen Reklame-Artikel. Er behauptete darin, daß diese Reiterfeste geeignet seien, die nationale Gesinnung der Bauern und ihre Interessengemeinschaft zu fördern. Als Mittel zur Erheiterung mag ja die ländliche Bevölkerung in der Umgegend von Glogau jene Spielerei wohl gern sehen, aber dazu ist der schlesische Bauer doch zu vernünftig, um deshalb wie die antisemitischen Redakteure an dem Triumphwagen eines Mannes zu ziehen, der in mittelalterlicher Anschauung verrannt ist, und freiheitsliebenden deutschen Bauern zuzutrauen, sich nach den Fleischtöpfen der Sklaverei, dem früheren Hörigkeits- und Frohndienstverhältuiß, zurückzusehnen. Die schlesischen Landleute sind auch viel zu gesetz- und ordnungsliebend, um Gefallen an der Dreistigkeit zu finden, mit der Graf Pückler seit langer Zeit die Organe der Obrigkeit verhöhnt und im Widerspruch gegen Gesetz und Ordnung für sich eine bevorrechtete Ausnahmestellung beansprucht. Sie belustigen sich natürlich an den Reiterkünsten ihres ehemaligen Amtsvcrstehers und seines Berliner Gastes, der von dem Wahn befangen ist, daß er bei dem Besteigen des Rostes mehr Muth und Gewandtheit gezeigt habe, als die zahllosen ^schwarzgelockten" jüdischen Circus-Reiter und Reiterinnen, deren Kühnheit bekanntlich selbst den Standesgenoffen des Grasen Pückler sehr zu imponieren pflegt. Aber dieselben Landleule, welche bei jenem Feste mitjubelten, werden sich noch aufrichtiger freuen, wenn sie die Ueberzeugung gewinnen werden, daß vor dem Gesetz der deutsche Bauer und der gräfliche Uebermensch völlig gleichgestellt sind. Sie haben es vielleicht schon nicht verstanden, daß der Termin wegen der Duellforderung des Grafen Pückler am 28. August verlegt wurde, weil der Herr Graf, der am 30. August dem Sedanfeste des Deutschen Antisemitenbundes beiwohnen konnte, in Glogau „am Erscheinen behrndelt" war. Die Glogauer Strafkammer vcrurtheilte am 4. September den Grafen und dessen Inspektor Kirchner wegen Herausforderung des Sanitätsraths Or. Neumann zum Zweikampf mit tödtlichen Waffen bezw. Kartelltrazens zu zwei Monaten bezw. zu einem Monat Festung. Die mildgesinnte Staatsanwaltschaft hatte

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