Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 500 (sequence 9)
- Language
- German
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500 Im deutschen Reich. nur einen Monat resp. 14 Tage Festung beantragt; trotzdem muß sie sich eine scharfe Zurechtweisung der „Staatsbürger-Ztg." gefallen lassen, weil der Erste Staatsanwalt Kobligk die Revision gegen die Verurtheilung des Grafen Pückler und seines Inspektors zu 6 bezw. 4 Wochen Gefängnis; nachträglich wieder zurückgezogen hat. Mit der Glogauer Verurtheilung wegen Herausforderung ist die Sache aber noch nicht abgethan; Graf Pückler wird sich noch in Berlin wegen öffentlicher Beleidigung des Sachverständigen zu verantworten haben. Gegen den Grafen war auch in der vielfach erwähnten Strafsache wegen Beleidigung preußischer Richter ein neuer Termin auf den 7. Oktober vor der 9. Strafkammer des Berliner Landgerichts I angesctzt. In dieser Sache mußten bereits zwei Termine, die auf den 3h Mai und 13. Juli d. Js. anberaumt waren, verlegt werden; schließlich erfolgte auch noch eine dritte Verlegung. Von der Berliner Staatsanwaltschaft ist übrigens gegen den Grafen wegen dessen Rede über einen angeblich in der-Schweiz gegen ihn verübten Vergiftungsversuch auch ein Verfahren wegen Aufreizung zu Gewaltthätigkeiten eingeleitet worden. Trotz der ihm drohenden Strafen hat sich der Unglückliche von seinen Drahtziehern dazu verleiten lasten, am 11. September wiederum in den Concordia-Sälen in Berlin eine „Dreschflegelrede" zu halten, der — wenn man der „Staatsbürger-Ztg." Glauben schenkt — ein ans 3000 Personen bestehendes „vornehmes" Publikum zugejubelt hat. Die in einer Ertra-Ausgabe der „Staatsbürger Ztg." verbreitete Rede ist nichts weiter als ein mit den rohesten Schimpfereien gegen die Juden verbrämter, geschmackloser, völlig geistesarmer Auszug aus dem bekannten Antisemiten-Katcchismus. Da Kollektiv-Beleidigungen den Juden gegenüber oftmals straflos blieben, hat die „Staatobürger-Ztg." diese Rohheiten unverkürzt wiedergegeben, während ihr Berichterstatter die Äußerungen des Grafen über den Glogauer Sachverständigen theilweise überhört zu haben scheint. Daß eine solche Rede einem vornehmen Publikum irgendwelche Sympathie einflößen kann, läßt sich nur durch die sonderbarste Geschmacksverirrung erklären! Diese Pückler-Versammlung bestätigt nur die Annahme, daß mancher Irrsinn ansteckend wirkt. Aus diesem Grunde ist es erfreulich, daß Graf Pückler davon Abstand genommen hat. sich um das durch den Verzicht Ahlwardts freigewordene Reichstagsmandat von Friedeberg - Arnswalde zu bewerben,'welches nun sein berittener Schildknappe Bruhn zu erringen hofft, während Ahlwardt in Neuftettin kandidiert. Nach dem Verlauf der am 20. August in Neustettin abgehaltenen, nur sehr mäßig besuchten Volksversammlung, in welcher Bruhn und Ahlwardt Vorträge hielten, erscheinen die. Aussichten des letzteren nicht gerade besonders