Mannheim
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Im deutschen Reich · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. 496

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-09-01
Page
496 (sequence 5)
Language
German
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496 Im deutschen Reich. Unter allgemeiner Zustimmung wies nämlich derAbg.vr. Bachem- Köln in Mannheim darauf hin, daß jener falsche „Nationalismus", der eine specifisch deutsche religiöse Auffassung verlange, von dem Charakter des Katholizismus als Universalreligion nichts übrig lasse. Nicht geringeren Beifall fand die Rede des Chefredakteurs Dr. Cardauns, der am 25. August iu Mannheim sagte: „Die Brüder aus Oesterreich können ein Lied davon singen, was dabei herauskommt, wenn man aus dem nationalen Gedanken ein Götzenbild macht! Gott bewahre uns deutsche Katholiken vor diesem nationalen Ueberschwang, vor diesem überschnappten Cultus des Germanenthums, dessen Oberpriester, die Schönerer, Wolf rc., unter dem gemeinsamen Ruf: „Deutschland über Alles" sich einander abküssen, bis nichts übrig bleibt, als zwei Löwenschwänze." Die Antisemiten, die sich beständig als Generalpächter der nationalen Gesinnung aufspielen und dabei die Jesuiten als „schwarze", die Socialdemokratie als „rothe", die Juden als „goldene" Internationale darzustellen pflegen, zögern nicht, sich mit den ärgsten Gegnern des Deutschthums zu verbinden, sobald diese bereit sind, mit ihnen gemeinsam die Juden zu befehden. Die „Libre parole“ des französischen Antisemiten Drumont war lange Zeit hindurch die Weisheitsguelle der meisten deutschen Antisemitenblätter; mit den witzigen Bosheiten der unter dem Namen „Gyp" sich verbergenden Gräfin Märtel bannten sie die Langeweile aus ihren sonst herzlich geistlosen Feuilletons. In den Münchener Antisemiten-Versammlungen bejubelte man einen czcchischen Redakteur, dessen Blatt nicht nur gegen die Juden sondern auch gegen das Deutschtum giftig geeifert hatte. Dabei kam es natürlich nicht zur Sprache, daß in Böhmen und Mähren die Czecheneigentlich nur deshalb gegen die Juden feindselig gesinnt waren, weil diese jederzeit an deutscher Sitte und an der deutschen Sprache festhiclten, obgleich in vielen Fällen ihre geschäftlichen Interessen bei der gegnerischen Seite besser gewahrt wären. So skrupulös sind jene Antisemiten nicht, denen höher als das Vaterland die Partei zu stehen scheint; sie sind überall zu Hause, wo eine Judenhehe zu ermöglichen ist. In einem Schreiben an den „Deutschen General - Anzeiger" Sedlatzeks schreibt der bekannte österreichische Reichsraths- und Landtagsabgeordnete Ernst Schneider: „Ich war schon mehrmals in Rußland, verkehre viel mit Russen und studiere, weil ich eben Antisemit bin, seit Jahrzehnten russische Verhältnisse." Daran knüpft sich eine längere Warnung vor Reformen in Rußland, die nur. den Juden zu statten kommen würden, und zuletzt empfiehlt der menschenfreundliche österreichische Volksvertreter als das einzig richtige

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