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Im deutschen Reich · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. 494

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-09-01
Page
494 (sequence 3)
Language
German
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494 Fm deutschen Reichwelche der treue Jude Ln unserer Zeit Verzicht leisten muß. Eine Religionsgesellschast, der nur ein kleiner BruchLheil der Bevölkerung angehört, ist in der Gegenwart nirgend frei von Bedrängnissen; dies macht es erklärlich, wenn der deutsche Jude auch Leiden ausländischer Glaubensgenossen mitempfindet und diese möglichst zu lindern sucht. £>L Antisemiten zetern dann sofort über die Jnternationalität der Juden, trotzdem diese vielfach Pioniere des Deutschthums gewesen sind und dort, wo sie unter einer gemischten Bevölkerung leben, für ihre deutsch-nationale Gesinnung oft schärfer angefeindet werden als für ihr religiöses Bekenntniß. Dem deutschen Katholiken wird es nicht übel gedeutet, daß er die Bedrückungen seiner ausländischen Glaubensgenossen beklagt; man sieht sihm alles nach, wenn er nur bereit ist, das zu fördern, was in den judenfeindlichen Kreisen fälschlich mit der Flagge des Nationalismus gedeckt wird. Trotzdem die Hintermänner der „Kreuz-Ztg." weder für die Wiederaufrichtung der weltlichen Herrschaft des Papstes noch für die Wiederkehr der Jesuiten zu haben sein dürften, begeistert sich das strengprotcstantische Blatt für den Verlauf der Mannheimer Generalversammlung der Katholiken Deutschlands, weil es dem Centrum einzureden hofft, daß bei dem Streit zwischen Protestanten und Katholiken ^er Jude „der lachende Dritte" sei. Das ist er schon deshalb nicht, weil zwischen zwei großen streitenden Parteien die kleine jüdische Minderheit stets leicht zum Sturmbock wird und ihr nur dann Sicherheit geboten ist, wenn tiefer Religionsfrieden und Duldsamkeit in Glaubenssachen herrscht. Das Ideal der Juden kann nur der Staat sein, in dem nach dem Ausspruch Friedrichs des Großen „jeder nach seiner Fayon selig werden kann!" Daß dies das Ideal der „Kreuzzeitungs-Ritter" nicht ist, steht fest. Um jo erhebender ist es, daß der jetzt herrschende Nachfolger des großen Preußenkönigs in dem Posener Landeshause kürzlich vor den Provmzständen einProgramm entwickelt hat, in dem das Zusammenwirken von Volk und Beamtenschaft gefordert und als Lüge bezeichnet wird, daß in Preußen Unterthanen in der Ausübung ihres Glaubens irgendwie behindert werden. Es heißt darin wörtlich: „Meine ganze Regierungszeit und meine Worte in Aachen beweisen, wie hoch ich Religion, das heißt das persönliche Verhältniß jedes Menschen zu seinem Gott, achte, und man beleidigt durch eine solche Verleumdung den Nachfolger des großen Königs, der erklärt hat, ein Jeder solle auf seine Fa-on selig werden. Der zweite Jrrthum ist der, daß die Besorgniß wach erhalten wird, daß die StammeseigenthümlichkeiLen und

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