Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 493 (sequence 2)
- Language
- German
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Umschau. 493 fester als bisher einigen könnten, kein wesentliches Gewicht in der Wagschale der deutschen Politik darzustellen; sie würden sich aber durch den bloßen Versuch ohne NoLh von ihren politischen Parteigenossen anderer Bekenntnisse trennen und ein verhängnißvolles Mißtrauen gegen sich wachrufen. Dagegen kann es ihnen kein rechtschaffener Christ verübeln, wenn sie dort gemeinsame Abwehr üben, wo Rassen- und Religionshaß ihre heiligsten Güter verunglimpfen und bedrohen, und in allen Fällen, in denen ihre feierlich verbrieften bürgerlichen Rechte angegriffen oder auf Umwegen beeinträchtigt werden. Das geschwundene Solidaritäts-Gefühl ist unter den Juden Deutschlands durch d e Gehässigkeit zahlreicher Gegner erst wieder wachgerufcn worden; das rasche Anwachsen der Mitgliederzahl des Central-Vereins beweist aber, daß die Begründung desselben diesem Gefühl und einem wirklichen Bedürfniß entsprach. Wie weit jedoch die deutschen Juden noch immer von dem Ziel entfernt sind, stets unter fester Disziplin zusammenzuhalten, wo Feinde ringsum die Selbstvertheidigung zur dringendsten Rothwendigkeit machen, das zeigen leider von Zeit zu Zeit bedauerliche Kundgebungen einzelner selbstsüchtiger, schwächlicher Hermaphroditen, die weder den Mutb haben, sich offen von dem Judenthum loszusagen, noch Charakter genug, für dasselbe Opfer zu bringen, noch hinreichendes Verständniß für den Werth eines religiösen Bekenntnisses, von dem im höchsten Sinne das Wort gilt: „Was Du ererbt von Deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen!" Für das Judcnthum sind Anhänger kein Gewinn, welche gelegentlich auch öffentlich eine vollständige Unkenntnis der jüdischen Sittenlehre und einen Kummer über ihre jüdische Abkunft bekunden, der nur natürlich ist, weil sie thalsächlich nicht wissen, warum sie leiden. Eine seit Jahrtausenden bestehende Religionsgemeinschaft, die wie das Judcnthum durch das Blut zahlloser Märtyrer und die durch keine Zurücksetzung eiffchütterte Treue seiner Bekenner gefestigt worden ist, verliert nichts an halben Leuten, die stets zum Abfall reif sind und nur aus äußerlichen Gründen zögern. Wer wie Akosta nur deshalb Jude bleibt, weil es ihm widerstrebt, sich „gemüthlich zu lagern, während seine Brüder im Staube die Straße fortwandcln", der versteht es eben nicht, daß diese Wanderer es als eine Auszeichnung betrachten, für die Wahrheit und Gedankenfreiheit Opfer zu bringen. Er wird in den seltensten Fällen seinen Kindern das Opfer zumuthen, das er nur aus Großmuth zu bringen glaubt, sondern ihnen, die der Vorwurf des Ueberläuferthums nicht treffen kann, die Behaglichkeit und äußeren Vortheile zu verschaffen wiffen, auf