Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 492 (sequence 1)
- Language
- German
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492 Im deutschen Reich. Umschau. xikn den judenfeindlichen Blättern wird die Nothwendigkeit der Bekämpfung des Indenthnms gewöhnlich mit dem angeblichen Vorhandensein eines starken Solidarttätsgefühls unter unseren Glaubensgenossen begründet, während in Wirklichkeit der Antisemitismus nur dadurch ungehindert zu einer wesentlichen Bedeutung gelangt ist, daß vor einigen Jahrzehnten kaum noch eine Spur des Zusammenhaltens unter den deutschen Juden zu bemerken war. Erst weit die Noth beten lehrte, machte sich unter ihnen das Bedürfniß gemeinsamer Abwehr geltend. Auch dann gab es noch viele welche es für bedenklich erachteten, daß sich die Deutschen jüdischen Glaubens zusammenschaarten, um ihre ernstlich bedrohten staatsbürgerlichen Rechte zu vertheidigen. Selbst in ihren wackeren, andersgläubigen Verteidigern mußten schließlich Zweifel an der Güte einer Sache wach werden, für welche diejenigen, die sie Zunächst anging, nicht die eigene Haut zu Markte trugen. Umsonst verwies man diesen Furchtsamen gegenüber auf die Katholiken, die mit bewundernswerther Einmüthigkeit in Deutschland die Rechte ihrer Glaubensgenossen und die unbehinderte Pflege ihrer religiösen Einrichtungen vertheidigen, ohne deshalb dem deutschen Vaterlande untreu zu werden und auch in nichtreligiösen Angelegenheiten sich von ihren andersgläubigen Mitbürgern ’ zu scheiden. Unleugbar haben die Katholiken durch ihr festes Zusammenhalten in Deutschland auch eine politische Machtstellung errungen, aber es ist nicht nachweisbar, daß ihre Solidarität zu diesem Zwecke gefestigt wurde; vielmehr dürfte das Centrum von selbst zu einer umworbenen politischen Macht geworden sein, nachdem es sich durch die Vertheidigung der Rechte der Katholiken einen numerisch sehr großen Anhang verschafft hatte. Die Begründung eines jüdischen Centrums in Deutschland nach diesem Muster ist von keiner Seite beabsichtigt worden, und wäre auch ein völlig verfehltes Unternehmen Die Bekenner einer Religion, deren Gesammtheit nur ein einziges Prozent der deutschen Gesammtbevölkerung darstellt, vermöchten selbst, wenn sie sich weit