Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- Ein unerfreuliches Ereigniß und der Nutzen, den es stiften kann
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 490 (sequence 2)
- Language
- German
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490 Im deutschen Reich. Wenn wir (hier ist dies Pronomen, wie ich ausdrücklich hervorheben will, nicht Mra1i6 M3g68tati8, sondern ich gebrauche es absichtlich und mit Vorbedacht, weil ich mich in meinen Ausführungen mit sehr vielen, mit der weitaus größeren Zahl der Commilitonen eins weiß), wenn wir nun trotzdem auf die fraglichen Auslassungen an dieser Stelle zurückkommen, so geschieht es nicht etwa, um Herrn D. eines Besseren zu belehren. Denn so überzeugt wir sind, daß diese im krassesten Widerspruch stehen mit jedem berechtigten Selbstgefühl, daß sie eines gebildeten, eines akademisch gebildeten Juden unwürdig sind, und daß sie in demselben Sinne von der überwiegenden Mehrzahl deutscher Studenten jüdischen Glaubens beurtheilt, verurtheilt werden, ebenso sicher sind wir auch, daß eine Belehrung bei Herrn Dombrowski und Wohl auch bei seinen wenigen Gesinnungsgenossen nichts fruchten würde. Er wird schon im grausamen Spiel des Lebens zur besseren Einsicht kommen, und wenn nicht, nun denn: „es irrt der Mensch solang er strebt". Für uns kommt es, wenn wir uns der nicht gerade sehr erfreulichen Mühe unterziehen, uns mit Herrn D.'s Rede öffentlich kurz zu befassen, vielmehr nur darauf an, daß sie, so merkwürdig das auch klingen mag, doch einen in unserem Sinne günstigen Erfolg herbeiführen, doch „das Gute schaffen" kann. Um meinen Vorschlag zu präzisieren: „Ich würde es für äußerst zweckmäßig halten, wenn vom Centralverein aus in den Universitätsstädten für die Idee des Vereins geworben würde, wenn die jüdischen Studenten immer und immer wieder darauf hingewiesen würden, daß sie in ihm, ob K. Cer, ob V. J. Ster, ob Finken, das große, gemeinsame Band zu erblicken hatten, das uns einen sott im Kampfe für das, was Vernunft und Verfassung uns gewährleisten, für unsere faktische Gleichberechtigung, für unser Recht, deutsche Staatsbürger zu sein mit allen Rechten und Pflichten eines solchen, ohne daß wir deßwegen unseren jüdischen Glauben aufzugeben, „unser Judenthum abzustreifen" gezwungen wären. Ich weiß nicht, wieviele. Studenten Mitglieder des Vereins sind, ich weiß aber, daß vielen von dem Bestehen und Wirken des Vereins nichts bekannt ist; ich weiß es aus persönlichen Erfahrungen der allerletzten Zeit, wo mir Kollegen, mit denen ich mich über dies Thema unterhielt, freimüthig ihre Unkenntniß in puncto Centralverein bekannten, eine Unkenntniß, die nicht etwa aus Interesselosigkeit, sondern vielmehr daraus resultierte, daß man ihnen den Gedanken noch nie näher gebracht hatte, noch nie mit den Zielen und Zwecken des Vereins vor sie hingetreten war. Und ich glaube, mein Vorschlag ist umsomehr