Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- Ein unerfreuliches Ereigniß und der Nutzen, den es stiften kann
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 491 (sequence 3)
- Language
- German
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Ein unerfreuliches Ereigniß und der Nutzen, den es stiften kann. 491 zu befürworten, als er sich ziemlich leicht ausführen ließe. Zwar, so leicht wie den Commilitonen in Berlin wird's denen an den anderen Universitäten nicht werden. Denn dort finden ja genug öffentliche Versammlungen statt, in denen aus bewährtem Munde derjenige über Ziel und Zweck des Vereins Aufschluß erhalten kann, der es nur irgend wünscht. Wo anders wird man sich, wie gesagt, bescheiden müssen, denn dort wird man nur in den seltensten Fällen die geschulte und bewährte Kraft irgend eines der Leiter des Vereins zur Verfügung haben, aber immer wird sich unter den Commilitonen oder unter älteren Akademikern einer — mindestens einer — finden lassen, der geeignet und mit Freuden bereit wäre, im persönlichen Verkehr und wohl auch gelegentlich in öffentlicher Versammlung für die Idee des Vereins zu werben. Wenn die Ereigniffe des 23. und 24. Mai diesen Erfolg zeitigen würden, man brauchte vielleicht nicht mehr mit soviel Bedauern an sie Zurückzudenken. Und wenn nicht — Lu maxuLb voluisse sat est. Mit mir haben sicherlich die meisten jüdischen Studenten die betreffende Rede als eine Schmach empfunden, und mit mir werden sie sicherlich den aufrichtigen Wunsch hegen, daß derartige Vorkommnisse immer seltener werden, ganz aushören mögen. Aber es fehlt an einem gemeinsamen, einigenden Bande, das diese, die so ' fühlen und empfinden, Zusammenhalte. Viele von ihnen sind nicht inkorporirt, ein großer Theil aber ist aktiv, und, wie es nun einmal geht, die Sonderinteresien drängen das Interesse für die großen, allgemein wichtigen Fragen zurück. Nicht als ob damit etwa gesagt sein sollte, daß z. B. die jüdischen Verbindungen kein Interesse hätten für unsre, der Judenhert große Fragen; eine solche Behauptung wäre lächerlich, ja, bei dem bekannten, in vieler Hinsicht segensreichen Wirken vieler dieser Verbindungen mehr als das, geradezu frivol. Aber naturgemäß widmet ein jeder seiner Verbindung seine beste Kraft und soll es auch thun, ohne daß ihn das doch zu hindern braucht, außerhalb seines engeren Kreises Glied eines zweiten, größeren zu sein. Wer dieser größere Kreis sein kann, kann nicht zweifelhaft erscheinen. Hier scheint mir noch ein weites Feld so gut wie brach zu liegen, das der sorgsamen Bearbeitung wartet, und das, wenn es ordentlich geeggt und gepflügt wird, die aufgewandte Mühe reichlich lohnen wird mit den Früchten, die es trägt.