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Im deutschen Reich · 1902-09-01 · Heft 9 (September 1902) · p. 482

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 9 (September 1902)
Article
Antisemitische Typen
Date
1902-09-01
Page
482 (sequence 2)
Language
German
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482 Im deutschen Reich. tritt. Nur ist es schwer, eine Definition für den Begriff des Antisemitismus zu geben, die jedermann befriedigt. Oft wird im Moment über diese Frage das Gefühl allein entscheiden können. Aber über allgemeine Principien könnten und müßten wir uns verständigen. Es wäre natürlich absurd, etwa zu sagen, daß jeder, der einem Juden unfreundlich begegnet, ein Antisemit wäre und deshalb bekämpft werden müsse. Vor allem muffen wir uns hüten, das, was unserer Person Unangenehmes geschieht, in allen Fällen auf unsere Eigenschaft als Jude zurückzuführen Wir dürfen das im Princip nicht thun, so lange keine ausreichenden Gründe für diese Annahme vorliegen. Aber selbst unsere Eigenschaft als Jude kann unter Umständen das' Verhalten von Christen uns gegenüber beeinflussen, ohne daß wir darin eine Zurücksetzung oder gar Kränkung zu sehen berechtigt wären. Wenn z. B. ein Christ sich denen innerlich näher fühlt, die mit ihm den gleichen Glauben haben, so dürfen wir, selbst wenn das in seinem äußeren Verhalten bisweilen hervorträte, darin an sich keine Zurücksetzung erblicken. Das religiöse Gefühl müssen wir achten, sonst würde man mit Recht uns den Vorwurf der Intoleranz machen, und wir würden selbst den Ast absägen, auf dem wir sitzen. Anders ist es, wenn das religiöse Gefühl in Intoleranz oder Fanatismus ausartet und sich in abfälligen Urteilen oder gar Schmähungen der jüdischen Religion und ihrer Bekenner äußern sollte. Alsdann ist eine Abwehr durchaus nothwendig, und eine Zurückhaltung und Rücksicht auf die religiösen Gefühle des Andern würde in diesem Falle eine Schwäche sein. Und wie wir einem derartigen Verhalten gegenüber den Anspruch erheben müssen, unsere Religion als gleichwerthig anerkannt zu sehen, so dürfen wir in keinem Falle stillschweigend oder ignorierend unsre Gleichwerthigkeit als Mensch oder als Bürger antasten lassen. Jede Aeußerunz oder Handlung, die direct oder indirect unsere Gleichwerthigkeit und Gleichberechtigung als Jude in Abrede oder in Frage stellt, haben wir als Antisemiiimus zu betrachten und zu bekämpfen. Ein Kompromiß giebt cs La nicht, und das geringste Zugeständniß bringt uns auf eine abschüssige Bahn. Dies muß unter allen Umständen unumstößliches Princip für uns sein. Die Formen und Abstufungen, in denen der Antisemitismus uns entgegentritt, sind nun aber sehr mannigfaltig und verschieden. Deshalb ist es nöthig, unfern Sinn und unser Gefühl dafür zu schärfen, um ihren antisemitischen Charakter im gegebenen Angenblick stets richtig und schnell zu erkennen. Für diesen Zweck dürste der Versuch von Nutzen sein, die verschiedenen Formen in ein System zu' bringen und wenigstens die

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