Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- Antisemitische Typen
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 481 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316697-2330141--09979-2330204- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Antisemitische Typen. 481 Antisemitische Typen. Gegensatz zu der Gewohnheit des laisser aller, die unter den Juden gegenüber der antisemitischen Bewegung früher allgemein verbreitet war, hat der „Centralverein Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" es sich zur Aufgabe gemacht, die deutschen Juden zur Selbsthilfe zu mahnen und zur eigenen Abwehr zu erziehen. Der Mahnruf ist nicht wirkungslos verhallt. Gegen 100,000 deutsche Juden haben sich, einzeln oder in korporativen Verbänden, dem Centralvereine angeschlosfen und sich dadurch mit seinen Bestrebungen identifiziert. Stetig erweitert sich der Kreis seiner Mitglieder, und von denen, die bisher nicht förmlich beigetreten sind, ist doch anzunehmen, daß sie, im Hinblick auf den Verlauf der antisemitischen Bewegung, nicht mehr Gegner des Princips sind. „Wenn ich nicht für mich bin, wer ist dann für mich?" Dieser Spruch Hillels gilt ebenso für eine Gemeinschaft wie für den einzelnen. Gebieterisch, fordert die Pflicht der Selbsterhaltung von uns, daß wir uns unserer Haut wehren, und mit dieser Einsicht ist auch das Gefühl allgemein geworden, daß es eine Ehrenpflicht jedes Juden ist, nach Maßgabe seiner Kräfte zur Abwehr gegen den Antisemitismus beizutragen. Sind wir uns über das Prinzip einig, so entstehen die Fragen: In welchen Fällen ist eine Abwehr erforderlich und in welcher Form hat sie Zu erfolgen? Es ist natürlich, daß über dieses Wann und Wie die Ansichten vielfach noch auseinandergehen. Aeußerungen und Handlungen, die dem einen als Ausfluß antisemitischer Gesinnung erscheinen, hält der andere für harmlos. Fühlt sich der eine verletzt und gekränkt, so meint ein anderer darin bisweilen eine ungerechtfertigte Empfindlichkeit erblicken zu muffen. Wo jener eine Abwehr für nöthig hält, erscheint sie diesem unnöthig und schädlich. Und doch ist eine möglichst große Uebereinkunft der Anschauungen in dieser Beziehung in dem gemeinsamen Kampfe von nöthen. Sonst könnte es leicht kommen, daß wir uns trotz der gleichen Ziele entgegenarbeiten und gegenseitig schwächen. In erster Linie also ist eine Verständigung über die Frage nöthig: Wann ist cs nothwendig zu einer Abwehr zu schreiten? Es liegt nahe darauf zu antworteten: Ueberall da, wo uns Antisemitismus entgegen-