Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 9 (September 1902)
- Article
- Antisemitismus und Wissenschaft
- Date
- 1902-09-01
- Page
- 476 (sequence 4)
- Language
- German
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476 Im deutschen Reich. militärischen Rangstufen und Italien hat zur Zeit einen jüdischen Kriegsminister), sondern daraus, daß man uns die militärische Laufbahn wider Recht und Gesetz in Deutschland verschließt. Die unserer Rasse angeblich eigenthümliHe Habsucht steht in schlechtem Einklänge mit der doch allgemein anerkannten jüdischen Wohlthätigkeit und dem jüdischen Idealismus. Ist die Theorie von der jüdischen Rasse schon an sich zu verwerfen, so ist der von antisemitischer Seite neuerdings konstruirte Gegensatz zwischen jüdischer und indogermanischer Rasse eine geradezu frioole Geschichtsfälschung. Von einem wissenschaftlichen Gegner verlangt man vorerst die Kenntniß der bekämpften Anschauung. Wir Juden fordern von unseren wissenschaftlichen Gegnern mindestens Kenntniß des Judenthums. In Wirklichkeit ist es aber seit Paul de Lagarde modern geworden, über Israels Religion wissenschaftlich den Stab zu brechen, ohne eine auch nur obetflächliche Kenntniß des Iudenthums zu besitzen. Es ist wahrlich an der Zeit, daß die gesammte Judenheit gegen diese Mißbandlung unserer Wahrheit feierlichen Protest einlegt. Der erste Grundsatz dieser Mißhandlung der Juden als „Rasse" heißt: alles Große und Edle in der Welt haben die Arier, insbesondere die Germanen geleistet. Die Verhimmelung der Jndegermanen geht bereits bis ins Lächerliche. Dabei haben die vedifchen Studien der hervorragendsten Gelehrten auf indogermanischem Gebiet längst dargethan, daß dao Alter des Rigveda weit übertrieben wird. Das sittliche Niveau lex vedijchen Dichter aber charakterisiert maßlose Goldsucht und wüste Unsittlichkeit, eine krankhafte Vorliebe für das Obscöne. Diese sittli l en Jammergestalten wagt man heutzutage mit den markigen Jdealgeftalten der Propheten Altisraels auf eine Stufe zu stellen — und angesichts dieser Religionsquellen jubelt z. B. Chamberlain in feinen „Grundlagen des 19. Jahrhunderts" S. 29: „jetzt besitzen auch wir unsere heiligen Bücher, und was sie lehren, ist schöner und edler, als was das Alte Testament berichtet!" Aber die buddhistische Moral ist überhaupt keine Moral. Die vergötterten TTpaninhad lehren, daß man den Nächsten lieben solle, weil er das eigene Ich ist, „weil Du mit dem Nächsten identisch bist" und degradieren damit alle Nächstenliebe zum krassen Egoismus. Trotzdem bildet den angeblichen Mittelpunkt der indogermanischen Sittenlehre die Lehre von der Tugendübung um ihrer selbst willen, während für die religiöse Belohnungstheorie von den antisemitischen Gelehrten, z. B. von Chamberlain, das Judenthum verantwortlich gemacht wird. Man braucht ke.in Gelehrter