Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 464 (sequence 6)
- Language
- German
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Hin deutschen gleich 401 beigclegtcn Bezeichnung „Misch-Masch-Verein" läßt endlich erkennen, was Herrn Dr. Jeremias neben der Sorge für das eigne „Ich" gegen uns erregt — der Zionismus! Denn Herr Dr. Jeremias schreibt: „Hier, o Grauen, kommt wieder ein furchtbares Zngeftändniß an die Antisemiten! - ich bin überzeugt, daß Ihr Verein für die bisher ganz indifferenten Elemente des deutschen Jndcnthums die beste Vorschule zum jüdischen Nationalismus ist, mit einem Worte der Centralverein eine Kadettenanstalt ist, aus der einst die tüchtigsten Fahnenjunker des Zionismus hervorgehen werden." Da Vertrauen wieder Vertrauen verdient, können wir Herrn Dr. Jeremias ohne jede Scheu vor den Antisemiten das Geständuiß machen, das; die Mitglieder unseres Vereins meist ältere, gereifte Männer sind, die in die Kadetlenuniform doch nicht mehr hineinpassen und kaum zu Fahnenjunkern des Zionismus taugen würden. Wir können ihm auch verrathen, daß viele unserer Mitglieder dem Zionismus mit Wohlwollen gegenüberstehen, weil sie von den schwärmerisch veranlagten jetzigen zionistischen Kadetten zuversichtlich hoffen, daß der jugendlich gährende Most sich klären und doch noch einen guten Wein geben werde. Der Eentral-Verein ist nichts weniger als eine Vorschule des Zionismus; er ist vielmehr der Hasen, in den die besten Elemente unter den deutschen Zionisten dermaleinst einlaufen werden. Wir haben den Zionismus nie angegriffen, selbst wo ernste Männer dies als nothwendig bezeichnetcn, weil er wie wir den traurigen Jndifferentismus unter unsern Glaubensgenossen bekämpft hat, und weil er ebenso wie wir erfolgreich bestrebt war, den Juden wieder mehr Selbstgefühl einzuflößen. Seine.Endziele sind nicht die unsern: sie berühren uns aber schon deshalb nicht, weil wir sie in der Hauptsache für unerreichbar hallen, und das Streben danach bei den Meisten aus edlen Beweggründen hcrvorgeht. Die Sorge des Herrn Dr. Jeremias, daß wir bei unsern großen Machtmitteln uns zu sehr mit Kleinigkeiten abgeben, ist schwerlich begründet. Viele Erfolge im Kleinen bringen schließlich einen großen Erfolg im Ganzen. Die wirthschaftliche Lage unserer Glaubensgenossen in den Ostmarken zwischen deutschen und polnischen Antisemiten erfüllt auch uns mit schwerer Sorge; wir wirken dort, soweit unser Einfluß reicht. Herr Dr. Jeremias mag aber überzeugt sein, daß sein Urtheil über die neuropathische Disposition der Juden unsere Bemühungen gewiß nicht fördert. Die maßgebenden deutschen Kreise wird man mit solchen „wissenschaftlichen" Ergebnissen nicht dazu führen, in den Juden der Ostmarken die besten Pioniere des Deutschthums und die geeignetsten Förderer eines