Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 463 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316689-2316696--09930-2330093- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
VereinSnachrichten. 463 (s\ V. in den Ostmarken gerade begeisterte Anhänger der jeweiligen Regierungsmaßnahmen gegen die Polen sind. Man kann ein sehr guter Deutscher sein, man kann sehr für eine möglichst intensive Germanisierung des Ostens eintreten und doch gewisse Maßnahmen der Regierung verurtheilen. Eine solche Beurtheilung geht uns als Juden, als Mitglieder des C. B. gar nichts an. Ob man die Maßnahmen der Ansiedelungs- und der GenossenschaftspoliLik, ob man die Sprachenpolitik der Regierung im Interesse des Deutschthums für richtig oder falsch hält, wird im Wesentlichen von der politischen Ueberzeugung des Einzelnen abhängen, hat aber mit der Frage ob Jude oder Christ gar nichts zu thun. Es giebt sogar in den Ostmarken eine ganze Anzahl hochkonservativer Beamten, welche die Maßnahmen der Regierung verurtheilen, weil sie sie für angethan halten, das Deutschthum zu schwächen. Daß bei dieser Schwächung des Deutschthums auch eine schwere Schädigung der deutschen Juden des Ostens zu befürchten und auch tatsächlich eingetreten ist, ist dem C. V. sehr wohl bekannt, und es hat nicht erst der Anregung des Herrn Do. I. bedurft, um den E. V. zu veranlassen, hier auf Abhilfe zu sinnen. Eine solche ist aber nicht mit einem Rath erledigt, wie ihn Herr I)r. I. giebt. „Der C. V. hatte die wirthschaftliche Selbsthilfe der Juden organisieren müssen." Die ,^rage ist zu ernst, das ganze Gebiet viel zu schwierig, als daß man so leichthin einen Weg zur Abhilfe emschlagen könnte, der sich später als eine Sackgasie erweisen würde! Wenn Herr Do. Jeremias uns daraus einen Borwurf macht, daß das Wirken des Vereins auf der einen Seite Kampf, auf der andern Frieden bedeutet, daß wir bald zu lautem Protestieren und zu erbittertem Aufschreien ermuntern, bald uns im Beschwichtigen und Bemänteln üben, so wellen wir darüber, ob hierin ein Vorwurf zu erblicken ist, mit Herrn Dr. Jeremias nicht rechten. Die Behauptung aber, daß wir mit unserm nationalen Deutschthum bei jeder Gelegenheit prunken, ist eine Redensart, die wir zurückweisen müssen: Mit dem, was einem Gefühlssache ist, prunkt man nicht. Auf gleicher Stufe steht der Versuch, aus einer Aeußerung unseres Vorsitzenden über den Namen des Vereins eine Unklarheit unserer Grundanschauungcn herauszuklügeln. Wer möglichst alle deutschen Juden zum Zwecke der Abwehr äußerer Angriffe vereinigen will, muß die verschiedensten Richtungen zulaffen und die Kluft innerer Meinungsverschiedenheiten überbrücken. Die Erwähnung der von dem zionistischen Führer Herrn Dr. Bodenheimer Ln Cöln uns