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Im deutschen Reich · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. 462

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
[Ohne Titel]
Date
1902-08-01
Page
462 (sequence 4)
Language
German
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462 Im deutsches Reich. für einen bestimmten jüdischen LandLagskandidaten zu wirken. Der Vorstand des Central-Vereins hat sich jeder Agitation bei der betreffenden Wahl, bei welcher überdies zwei deutsche Candidaten in Frage kamen, enthalten, und hat auch von seinem damaligen Posener Vertrauensmanne die Zusicherung strengster Neutralität empfangen, welche, wie wir festgestellt haben, durchaus gewahrt worden ist. Mit der von Di-. Jeremias aufgewärmten Fabel sollten wir nun wohl in Zukunft verschont bleiben! Unklar, wie die in dem „offenen Briefe" deo Herrn Di-. Jeremias sonst erkennbaren Gedanken, ist auch, was über Stellungnahme des Centralvereins gegenüber der in den Ostmarken betriebenen Politik gesagt wird. Bei dieser Gelegenheit macht Herr Dr. Jeremias dem Centralvereine nicht nur Vorwürfe, er giebt ihm auch Rathschläge, was er hätte thun sollen. Er verlangt, der C. D. hätte die wirthschaftliche Selbsthilfe der Juden organisieren sollen, ehe sie zwischen Deutschen und Polen zerrieben würden, und er hätte zweitens, als unerläßliche Vorbedingung jeglicher Mitarbeit in der Germanisierungspolitik, die Gleichberechtigung der Juden in ganz Deutschland fordern sollen. Welche Verkennung der Sachlage und welch' Jrrthum in den rbatsachen! Der Central-Verein umfaßt im Gegensatz zum Zionismus alle diejenigen in Deutschland lebenden Juden, welcbe sich als Deutsche fühlen, welche deutsch denken und deutsch handeln, ebenso wie die evangelischen und die katholischen Deutschen, und weil er ein Verein „Deutscher Staatsbürger" ist, ist es selbstverständlich und braucht nicht immer wiederholt zu werden, daß die Mitglieder des C. B. für Germanisierungsbestrebungen in der Ostmark immer eintreten werden,- sofern diese Bestrebungen auch Lhatsächlich den gewünschten Erfolg versprechen und sich auf rechtlichem Boden bewegen. Und darum ist es verkehrt, wenn Herr Dr. I. findet, der C. V hätte, als Vorbedingung jeglicher Mitarbeit in der Germanisierungs- Politik, die faktische Gleichberechtigung der Juden in ganz Deutschland fordern müssen. Wenn die Juden des C. V. Germanisierungsbestrebungen fördern, so thun sie es eben, weil sie deutsch fühlen und nicht wünschen, daß die deutsche Oftmark immer mehr polollisiert werde, aber sie fördern derartige Bestrebungen nicht, um für sich Vortheile aus ihnen zu erringen. Sie verlangen die Gleichberechtigung aller Juden als ihr Recht und sie würden sich nicht, weil ihnen dieses ihr Recht noch nicht geworden ist, in der Ostmark schmollend zurückziehen. Damit ist aber keineswegs gesagt, daß nun die Mitglieder des

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