Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 461 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Vereinsncrchrichten. 461 lässt noch auf eine recht unbefangene Jugend schließen. Jedenfalls kann er nicht leugnen, daß die Berufsstatiftik bei der Jrrenstatistik mitzuberücksichtigen ist und er giebt wörtlich zu: „Doch ist kein Zweifel, daß das von Ihnen angezogene Moment bei der Beurtheilung der Jrrenstatistik nicht ohne Bedeutung ist." Statt nun aber dafür zu danken, daß wir ihn auf dieses Moment, welches in seinem Artikel vom HO. Mai keine Erwähnung findet, aufmerksam gemacht haben, und in Zukunft sich etwas mehr Vorsicht in der Aufstellung allgemeiner Behauptungen aufzuerlegen, nimmt Herr Dr. Jeremias Veranlassung, nicht etwa sachlich zu erwidern, sondern in der Oeffentlichkeit hervorzutreten, um seinen Geist und Witz zu üben. Dabei wollen wir ihn nicht stören. Wir weisen es aber als etitc unwürdige Unterstellung zurück, wenn uns Mangel au Wahrheit und Selbstzucht und Abweichen von den von uns selbst vertheidigten Grundsätzen vorgeworfen wird. Gewiß verlangen wir „Selbstverteidigung im Lichte der Oeffentlichkeit". Eine solche besteht aber nicht darin, daß wir in jedem Falle, in welchem wir Veranlassung nehmen, einem Glaubenogenossen eine Vorhaltung zu machen, dies sogleich — womöglich mit Namensnennung — aller Welt verkünden. Daran hindert uns neben der Ansicht, daß die einzelne Persönlichkeit in jedem Falle möglichst zu schonen ist, allerdings auch die Rücksicht aus die antisemitische Taktik, welche jede Verfehlung eines Juden sogleich generell als eine „jüdische Unart" zu bezeichnen pflegt. Unsere Ziele und unsere Wege haben wir vor aller Welt häufig genug klar gelegt und haben hierbei nicksts zu verbergen. Dies gilt auch von unserer Stellung zu den allgemeinen Wahlen. Wir treten für diejenige Par'ei ein. von der wir die Vertheidignng unserer staatobürgerlichen Rechte erwarten können, und wenn eine solche Partei einen Inden zunt Abgeordneten vorschlägt, der nicht weniger geeignet ist, wie andere Bewerber, so treten wir auch mit Freuden für den jüdischen Eandidaten ein. Dadurch werden wir sicherlich unserer Warnung vor einer „jüdischen Centrums-Politik" nicht untreu. Den uns bei dieser Gelegenheit gemachten Vorwurf stützt Herr Dr. Jeremias, unter der Anspielung auf einen Vorfall in Posen auf eine thatsächliche Unwahrheit, die unvorsichtige Wiederholung einer längst widerlegten Verdächtigung. Wir haben niemals einen Abgesandten nach Posen geschickt, um