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Im deutschen Reich · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. 447

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
Berlin
Date
1902-08-01
Page
447 (sequence 5)
Language
German
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Korrespondenzen. 447 haben. Graf PückLer gehört nicht auf Die Rednertribüne, am allerwenigsten als „nationaler Wortführer", für den er sich doch selbst hält. Für die Abstellung dieses Unfugs vermögen wir nur Dank zu empfinden." — Die „Staatsbürger-Ztg." drückte ihre Verwunderung über die polizeiliche Auflösung aus, da doch nichts Aufreizendes in den Worten Pücklers zu finden gewesen sei. Die Behörden dürften anderer Ansicht sein und es auch nicht als unbedenklich erachten, wenn vor Tausenden von Zuhörern „die Erscheinung Christi als Krieg bedeutend" erklärt und mit „rauchenden Scheiterhaufen und Blutvergießen" in Verbindung gebracht, wenn Alles mit Vernichtung bedroht wird, was den Genossen Pücklers „Widerstand zu leisten wagt." Solches Treiben wird selbst den nicht zu den Genossen und Ausbeutern des Dreschgrafen zählenden Antisemiten zu arg. Die „deutsch-sociale Wochenschrift" äußert sich wie folgt: „Unverantwortlich handeln diejenigen „Berliner Antisemiten", die den Grafen Pückler vor der Oeffentlichkeit antisemitische Reden halten lassen und diese Reden nachher in Extrabeilagen der SLaatsbürgerzeitung" veröffentlichen. Ihnen kann man den Vorwurf nicht ersparen, daß sie den Anschein erwecken, als ob sie den Grafen Pückler als billige und ertragreiche Reklame für ihre Unternehmungen behandeln. Wir sind gewiß davon überzeugt, daß es den Herren von der Staatsbürgerzeitung völlig fern liegt, mit Pückler Kasse machen zu wollen (?), deshalb aber muß es ihnen selbst auch klar werden, daß sie die gesannnte antisemitische Bewegung jeder Richtung durch ihr Zusammengehen mit Pückler nur empfindlich schädigen und schon geschädigt haben. Mögen sie doch dem nervös überreizten Herrn zu verstehen geben, daß er durch Schweigen mehr nützen kann, als durch seine Reden. Vorschriften können wir den Berliner Antisemiten in dieser Sache leider nicht machen, aber die Herren sollten bedenken, daß man eine Entfremdung zwischen den einzelnen Antisemiten- Organisationen nicht unnöthig vcrzubereiten braucht. Wir innerhalb der deutsch-socialen Partei können auf Grund unseres gesunden wirthschaftlichen und socialen Programms den „Pückter-Humbug" nur verurtherlen und thun es rücksichtslos im Interesse der gesummten Bewegung." Die antisemitische „Deutsche Hochwacht" verwahrt sich dagegen, daß auch die Berliner Ortsgruppe des „Deutschen Volksbundes" zu denjenigen „Berliner Antisemiten" gezählt würde, welche an dem gerügten Treiben die Schuld tragen. Die liberale „Magdeburger Ztg." billigt das Versammlungsverbot und sagt: „Der Geschäftsantifemitismus schäumt, weil ihm der Polizei-

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