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Im deutschen Reich · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. 438

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-08-01
Page
438 (sequence 8)
Language
German
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438 >1m deutschen Reich. antisemitischen Könitz - Gewebes vollständig bloßgelegt würden und dabei die Thatsache allgemein bekannt würde, daß es gar manchen gewissenlosen Weber nicht darauf ankam, den Untersuchungsbehörden die Ermittelung des Mörders Winters zu ermöglichen, sondern zu erschweren, um möglichst lange mit dem Ritualmord-Schwindel Geschäfte zu machen. Daß solche Umtriebe nur vorübergehenden Erfolg erzielen können, war den Geschäftsantrsemiten offenbar klar; sie haben deshalb alle Hebel in Bewegung gesetzt, die Sache möglichst zu verschleppen, aber schließlich geht doch der Krug so lange zu Wasser, bis er bricht. Auch dem gelehrigen Schüler des Herrn Bruhn, dem Grafen Pückler, wird die Stunde schlagen, in welcher er der Thatsache sich beugen muß, daß in Preußen die Richter keinen Unterschied zwischen einem gräflichen und einem nicht blaublütigen Gesetzesverletzer machen, daß es auch noch gerichtliche Sachverständige giebt, die ohne Furcht vor Schimpfereien oder Herausforderungen das bekunden werden, was ihn ins Gefängnis oder ins Narrenhaus bringt. Da der Impresario des Pückler- Rummels voraussieht, daß die Fortsetzung dieses Geschäfts ihm bald ebenso unmöglich gemacht werden wird, wie die weitere geschäftliche Verwerthung der Konitz-Tragödie, sieht er sich bereits emsig nach einem anderen sensationellen Zugartikel um, da er nicht Lust hat, das Schicksal der Verleger des antisemitischen Witzblattes „Deutscher Michel" zu theilen. welche sich zur Geschäftsaufgabe gezwungen sahen. Ob sich die scheinbar dazu in Aussicht genommene Aufbauschung des jüdischen Antheils an dem abscheulichen Mädchenhandel als solcher Stoff erweisen wird, bleibt abzuwarten. Mit Uebertreibungcn ist dabei nicht viel mehr zu machen. Der antisemitische Blätterwald lichtet sich nicht deshalb, weil die Gesinnung der bisherigen Leser dieser Blätter sich geändert hat, sondern weil es doch jeden Halbwege vernünftigen Menschen schließlich anwidern muß, alles Mögliche und Unmögliche den Juden in die Schuhe geschoben und die ewigen „Judengcschichten" in roher und geistloser Weise zn einem sehr fraglichen Unterhaltungsstoff verarbeitet zu sehen. Traurig genug ist dabei nur, daß immer, wenn den Antisemiten der Witz ausgeht, sich einzelne gedankenlose Juden finden, die dann selbstverständlich unabsichtlich mit ihrem Vorrath anshelfen. Weite jüdische Kreise beschäftigen sich längst mit der Bekämpfung des einen Schandfleck der Kultur bedeutenden Mädchenhandels, nicht etwa nur, well es auch unter den Juden Elende giebt, die sich dieses Verbrechens schuldig machen, sondern' well zu den unglücklichen

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