Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 436 (sequence 6)
- Language
- German
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436 Im deutschen Reich. angeblichen Rasseeigentümlichkeiten u. dergl. m. geschrieben wurde, konnte dennoch die öffentliche Meinung wiederum irreführen. Die „Bonner Ztg." stellte die Behauptung auf, daß der tapfere jüdische Husar Moses Bier das Eiserne Kreuz gar nicht besitze, außer der irrthnmlichcn Ehrung durch den Generalobersten, auch eine solche durch den Husarenverein „Lehm op" mit Unrecht ruhig hingenommen habe. Die „Staatsbürger-Zeitg." hatte sogar glücklich einen in Königsberg lebenden antisemitischen Kriegskameraden Biers herausgefunden, der — ohne seinen eigenen Namen zu verrathen — den Husaren Bier als „einen schlappen und malpropren Kerl" zu bezeichnen wagte. Welchen Werth das Zeugnitz dieses unbekannten Berichterstatters hat, geht daraus hervor, daß dieser seinem ehemaligen Vorgesetzten, Rittmeister von Niesenwand, welcher den jüdischen Husaren öffentlich belobt hatte, den Spottnamen „heiliger Franz" beilegt. Von zuverlässiger Seite ist aber überden im Herbst 1872 als Gefreiter aus dem Dienste geschiedenen jüdischen Husaren berichtet: „Schon während des Marsches nach Frankreich war Moses Bier als Ordonnanz zu General Strubberg der .'JO. Brigade kommandiert und der ersten Schwadron zugeteilt. Er machte die Schlachten bei Gravelotte, St. Privat, die Einschließung und die Kapitulation von Metz mit, focht dann bei Bertrancourt, wo ein Granatsplitter ihm den Stiefel vom Fuß riß. bei Amiens, bei Forcelles, bei Buchy, an der Hallue, bei Sapignies, bei Bapaume und bei Tertry-Pouillet, sowie bei St. Quentin, und stets als Ordvnnanzreiter unter den gefährlichsten Umständen. In der Schlacht bei Bapaume wurde sein Pferd von einer Granate gestreift und niedergeworfen. Vier Pferde des nebenfahrenden Munitionswagens wurden getestet; trotzdem hat Bier eine wichtige Meldung an General von Geben und von diesem zurück glücklich befördert und ist nicht nur von dem Rittmeister von Niesenwand, sondern auch von den Generalen von Los und Strubberg öffentlich belobt worden". — Wenn ein solcher Soldat das Eiserne Kreuz nicht erhalten haben sollte, wäre die Rede des vorurteilslosen Generalobersten von doppeltem Werth e! Zu denen, welche den Generalobersten rücksichtslos angegriffen haben, gehört auch der ehemalige Amtsvorsteher von Klein-Tschirne, der sich als ehemaliger Offizier sogar vermißt, dem obersten Kriegsherrn ziemlich respektlose Vorhaltungen zu machen, also auch nichts dabei finden kann, wenn er als Graf Pückler einem nur im Feldmarschallrang stehenden Freiherrn öffentlich zuruft: „Was will der Herr von Loö eigentlich mit dieser Zudenrede; will er die Juden durchaus zu Offizieren und Generalen machen? Oder-was bezweckt er eigentlich?