Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 433 (sequence 3)
- Language
- German
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Umschau. 433 verderblichen „Generalpächter der deutsch-nationalen Gesinnung" die Rede, in welcher der Generaloberst von Los bei der Feier des jährigen Papstjubiläums auf die bedeutsame Kundgebung zurückkam. Wenn etwas geeignet war, die Antisemiten tief zu erschüttern, so war es, daß sich dabei dem ruhmvoll bewährten Heerführer etwas auf die Lippen drängte, was die jüdischen Soldaten betraf, bei denen Pflichten und Rechte bisber tatsächlich noch nicht in dem Verhältnisse stehen, welche ein vorurtheilsfreicr katholischer General vollständig billigen kann. Generaloberst von Lo>^ sagte: „Ich habe neulich in einer Ansprache an meine alten Husaren an den denkwürdigen Ausspruch des unvergeßlichen Reichskanzlers, des Fürsten Bismarck, erinnert: „Wir Deutschen fürchten niemand außer Gott". Der Ausspruch ist heute wahr und wird es bleiben, aber nur unter der Voraussetzung, daß wir den deutschen Erbfehler, die konfessionellen Zänkereien, unterlassen, und daß wir alle, ohne Unterschied des religiösen Bekenntnisses, treu Zusammenhalten — Protestanten, Katholiken und Israeliten. Meine Herren, ich nenne an dieser Stelle die Israeliten mit Vorbedacht, weil ich weiß, daß ich damit im Sinne des Stifters unserer heiligen Religion spreche, welcher das Vorbild der Duldsamkeit ist, im Sinne meines Kaiserlichen Herrn, welcher Sich in Seiner prachtvollen Rede Gott sei Dank unter das Kreuz gestellt hat, im Geiste des heiligen Vaters, welcher in seiner hoben christlichen Auffassung alle Andersgläubigen, die ehrlich sind, mit derselben Liebe und Achtung umfaßt. Ich nenne die Israeliten, aber nicht allein als Christ — ich nenne sie auch als Soldat, denn ich finde nun einmal in dem christlichen und dem Soldatenkatechismus keine Widersprüche. Von diesem Standpunkt und in diesem Sinne habe ich vor 14 Tagen in diesen Räumen zu meinen alten Husaren gesprochen. Protestanten, Katholiken und Israeliten — denn auch die letztgenannten hatten sich im stolzen Bewußtsein ihrer Regimcntsangehörigkeit zu meiner Freude hier zusammen gefunden. Ja wahrhaftig, zu meiner Freude! Denn unter ihnen befindet sich einer der tapfersten Husaren des Feldzuges, ein Bonner Kind. Auch er lebt unter dem Zeichen des Kreuzes, denn er ist für seine Tapferkeit mit dem Eisernen Kreuze geschmückt, und ich drücke ihm bei jeder Begegnung die Hand, weil ich ihn hechachte." Von antisemitischer Seite wurde sofort nach dem Bekanntwerden dieser Aeußerung die tiefste Entrüstung darüber geäußert, daß „ein preußischer General das Rassenproblem vornehm ignoriere, Katholik, Protestant und Jude kühn gleichsetzen könne, als ob es nie eine