Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- Die Gesammtorganisation der deutschen Juden
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 430 (sequence 10)
- Language
- German
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430 Im deutschen Reich. positiven Ergebnis noch nicht geführt. Es ist sehr wahrscheinlich, daß die Zustimmungserklärungen auf Grund eines bestimmten Planes, der die Gewahr für eine ersprießliche Thätigkeit bieten würde, noch viel reichlicher ausgefallen waren. Man war hie und da der Meinung, daß nian nicht getrennt abftimmen könne über die Frage, ob eine GesammLorganisation zu schaffen sei, und über die Frage, in welcher Weise sie in's Leben treten und ihre Wirksamkeit üben solle. Der Ausschuß hat sich dieser Ansicht nicht anzuschließen vermocht; sie war auch nicht durchzuführen, denn der Ausschuß hatte nicht den Auftrag, einen Entwurf von Satzungen vorzulegen. Dieser sollte und konnte vielmehr das Ergebnis; der von Vertretern aller oder wenigstens der meisten israelitischen Gemeinden Deutschlands geäußerten Ansichten sein. Nur auf Grund dieser Willensmeinungen der Mehrheit allerdeutschen Genieinden kann der Ausschuß, wie er bereits in seinem Rundschreiben vom Februar d. I. ausgesprochen, eine Versammlung einberufen, welche einen definitiven Plan feststellen und eventl. die Ausführung desselben herbeiführen kann. Nachdem nunmehr eine große Anzahl von Gemeinden prinzipiell die Schaffung einer Gesammtorganisation befürwortet hat, werden diese ersucht werden, zu einer Versammlung, die den Plan und die Satzungen einer solchen Organisation bestimmen soll, je einen Delegierten zu entsenden. Auf diesem Wege allein kann das Werk gelingen und wird es zu Stande kommen. Dies wird der Fall sein, weil es zu Stande kommen muß, weil unsere Verhältnisse mit innerer Naturnothwendigkeit auf eine solche Gesammtorganisation hindrängen. Tief gehen die Schäden, an denen unser Gemeindeleben leidet; schwer lastet die Sorge um die Zukunft des deutschen Judenthums auf allen, die es mit dem Väterglauben ernst meinen; immer weitere Kreise ziehen die Treulosigkeit und der Abfall vom Judenthum; immer verhängnißvoller wird der Jndifferentismus, die Muthlosigkeit, die Verzweiflung, die so viele unserer Glaubensgenossen erfaßt hat. Hier gilt es Abhilfe zu schaffen! Gegenüber allen Angriffen und Verdächtigungen, gegenüberallen Versuchen, .unsere staatsbürgerlichen Rechte zu schmälern, gegenüber dem Haß von Außen und dem Abfall im Innern muh eine Institution geschaffen werden, die alle Kräfte in einmüthigem Wirken zusammenfaßt, die dem Einzelnen wie der Gesammtheit Schutz bietet und der Außenwelt gegenüber die deutsche Judenheit nach jeder Richtung in würdiger Weise repräsentirt. Und nun, nachdem die Ergebnisse der Enquete der größeren Oesfentlichknt unterbreitet, nachdem die gegen die Schaffung der geplanten Organisation vorgebrachten Bedenken widerlegt sind, mögen