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Im deutschen Reich · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. 426

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
Die Gesammtorganisation der deutschen Juden
Date
1902-08-01
Page
426 (sequence 6)
Language
German
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426 Im deutschen Reich. sogar ausdrücklich ihren Beitritt nur für den Fall erklärt haben, daß religiöse und kultuelle Fragen für alle Zeit von der Gesammtorganisation ausgeschlossen werden, hat das Sendschreiben der süddeutschen Orthodoxie eigentlich nur symptomatische Bedeutung. Aber auch selbst diese erscheint in einem eigenthümlichen Lichte, wenn man die „Beleuchtung" etwas stärker beleuchtet. In dem Rundschreiben des Ausschusses für die Gesammtorganisation der deutschen Juden heißt es ausdrücklich: „Die Gesammtorganisation will und wird das Bestehende wahren, wohlerworbene Rechte nicht verletzen, wird die Befugnisse der Einzelverbände nicht angreifen. Fragen des Kultus und des Ritus sollen ihrer Kompetenz überhaupt entzogen sein; grundlos ist die Befürchtung, daß im Lauf der Zeiten ein Kirchenregiment sich entwickeln würde, welches die Strenggläubigen durch freigeistige Anschauungen oder die freiere Richtung durch den Geist starrer Rechtgläubigkeit bedrücken könnte. Daß etwa in Zukunft die Kompetenz des Gesammtverbandes auf religiöse, kultuelle und rituelle Fragen ausgedehnt werden möchte, kann durch Bestimmungen der Satzungen dauernd und wirksam verhindert werden." Für jeden, dem das Wort in keinem anderen Sinne erscheint als in dem, in welchem es ausgesprochen ist, redet dieser Satz eine hinreichend deutliche Sprache; für jeden auch, der hinter den Worten nichts anderes sucht als das, was sie ausdrücken sollen. Ein aus dem Zusammenhang gerissener Satz des Rundschreibens bringt die Vereinigung zu der Schlußfolgerung, daß eS sich trotz der bestimmten und feierlichen Versicherung des Ausschusses, der sie „wenig Wert" beilegt, schließlich doch um religiöse Fragen handeln könnte! Es heißtnämlich in dem Rundschreiben des Ausschusses, daß „nicht blos die Not der Zeit, sondern die natürliche Fortentwickelung aller geistigen Institutionen verlange, daß alle Kräfte im Judenthum zusammengefaßt werden, damit dasselbe seinen Bestand wahre und stärke und seine Mission erfülle." Nun meinen aber die Herren, daß eine solche Zusammenfassung aller Kräfte „im Hinblick auf die in der heutigen Judenheit bestehenden tief religiösen Gegensätze nicht denkbar ist." Gegen einen solchen Standpunkt ist kaum noch etwas zu sagen. Da giebt es weder eine Polemik, noch ist der Versuch einer religiösen Verständigung möglich! Haben wirklich orthodoxe und liberale Juden heute nichts mehr, was sie eint? Giebt es nicht tausend gemeinsame geistige Interessen, die durch den Gegensatz von Rechtgläubigkeit und Freigläubigkeit nicht berührt werden? Zum Glück sind die Auffassungen der „Freien Vereinigung" nur die einer kleinen Fraktion, der

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