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Im deutschen Reich · 1902-08-01 · Heft 8 (August 1902) · p. 425

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 8 (August 1902)
Article
Die Gesammtorganisation der deutschen Juden
Date
1902-08-01
Page
425 (sequence 5)
Language
German
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Die Gesammtorganisation der deutschen Juden. 425 seine Begeisterung für Gott und Sittlichkeit des Judenthums in den Kampf für das Recht der Glaubensgenoffen stellen. Aber was vermag der Einzelne selbst bei aller Kraft und allem Ernste gegenüber den Gefahren, die uns bedrohen, den Angriffen, die gegen uns erhoben, den Schäden, die uns Zugefügt werden! Es bedarf der Zusammenfassung aller Kräfte im Judenthum; sie wird keineswegs das Gefühl der persönlichen Verantwortlichkeit abschwächen, sondern es stärken und heben! . Tiefe und wahre Worte spricht Cohen über die Emancipation der Juden aus, die erst dann eine völlige sein werde, wenn die Gleichberechtigung der jüdischen Wissenschaft erfolgt sei. Aber gerade dieser Gedanke kann in uns nur die Ileberzeugnng von der Nothwendigkeit einer solchen Organisation befestigen: „Also nicht Zuspitzung auf das eine Ziel der Politik darf die Tendenz unserer Organisation werden, sondern vielmehr besonnene Berechnung und Heranziehung unserer sozialen Kräfte." Mehr haben aber auch diejenigen nicht gewollt, die die Gesammtorganisation angeregt haben; mehr will auch der Ausschuß nicht, der die Ausführung der Idee in die Wege zu leiten unternommen hat. Auch der Einwurf, daß sich die Gemeinden dadurch fteiwillig eine Autorität setzen würden, der die einzig berechtigte Grundlage einer Autorität in religiösen Dingen fehlt, erscheint bei näherer Betrachtung hinfällig. Die Autorität der Organisation liegt eben in der freien Wahl der Gemeinden, und die Konkurrenz der gewählten mit den idealen Autoritäten würde dadurch schon ausgcschloffen sein, das; diese mit jenen uotbwendig Zusammenfällen würden. Also keine politische Organisation, sondern nur eine solche, welche im höchsten Sinne die Aufgaben löst, die Cohen in seinem Gutachten, dao von tiefer geschichtlicher Einsicht in das Wesen des Judentbums zeugt, einer solchen Organisation zuweist. Eine Verständigung nach dieser Richtung erscheint sehr wohl möglich, handelt es sich doch um das Urtheil eines Mannes das vor allem von durchaus wohlwollender Gesinnung für die Sache selbst eingegeben ist. Leider kann man nicht dasselbe von dem Sendschreiben sagen, mit dem der Vorstand der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judenthums" in Frankfurt a. M. die Idee der Gesammtorganisation „beleuchtet" hat. Der Thalsache gegenüber, daß eine ganze Reihe hervorragender orthodoxer Rabbiner in allen Provinzen des Reiches und ebenso eine ganze Anzahl streng orthodoxer Gemeinden dem Vorschlag der Gesammtorganisation im Prinzip zugestimmt, ja

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