Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- Die Gesammtorganisation der deutschen Juden
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 424 (sequence 4)
- Language
- German
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\\m deutschen Reich. *42-4 werden müssen, weit sie aus einem reichen Geiste mit» aus inniger Liebe zum Judenthum hervorgegangen sind. Cohen ist gegen jede Organisation, weil er fürchtet, daß eine solche in den Fehler der Jnteressenpolitik verfallen und den Eifer der uns günstig gestimmten politischen Parteien für unsere Sache abschwächen würde, ferner weil sie von der wahren Einheit, die nur eine religiöse ist, ablenken und die Verantwortung des Einzelnen, seinen Kampf und seinen Eifer vermindern könnte. Die Organisation erscheint ihm aber auch aus dem Gesichtspunkt der Gemeindeverfassung formal bedenklich: „Unseren Gemeinden würde dadurch freiwillig eine Autorität gesetzt werden, welcher die einzige Grundlage einer Autorität in religiösen Dingen nothwendiger Weise fehlen müßte/' Jede Organisation müsse .nur nacb Innen gerichtet werden. „Für Verallgemeinerung der Bildung, für Vertiefung der Gesittung unter uns muß jede Organisation sorgen.Die Organisation muß auf das Gefühl gerichtet werden, daß wir uns eins fühlen mit unseren Glaubensgenossen auf den Grundlagen der modernsten Weltanschauung, welche immer für die Sittlichkeit und deren Zusammenbang mit der Gottesidee bleiben werden." Je mehr man den einzelnen Punkten in der Darstellung C.'s zustimmen muß, desto weniger wird man begreifen können, daß er sich gegen eine Gesammtorganisation ausspricht. Der Standpunkt, von welchem er zur Ablehnung gelangt, mag erhaben und ideal sein. Er ist aber dem praktischen Leben so abgewandt, daß wohl nicht viele dem tiefen Denker auf diese einsame Höhe werden folgen können. Die Befürchtung, daß wir den Eifer der „Rechtsparteien" für unsere Sache abschwächen könnten, werden heute wohl nur noch Wenige thcilen. Die Erfahrungen des letzten Jahrzehnts haben uns eines Besseren darüber belehrt. Zu Beginn der antisemitischen Bewegung hörte man ja sehr oft, daß die Bekämpfung der gegen uns gerichteten Bestrebungen nicht unsere, sondern Sache der liberalen Parteien sei, aber ein Rückblick auf das, was in den letzten zehn Jahren geschehen ist, und auf die Art und Weise, wie sich die Dinge in den Parlamenten und außerhalb derselben, abgespielt haben, dürfte wohl auch die entschiedensten Verfechter dieser Idee gründlich kuriert haben. Daß wir einen Staat im Staate oder eine besondere politische Partei bilden wollen, haben wir stets mit Nachdruck abgelehnt; wir wollen uns nicht zu einer politischen Einheit organisieren, aber wir können nicht mit Cohen behaupten, daß in der Jetztzeit uns nichts als die Religion verbindet und daß wir alle Kräfte nur für dieses eine Ziel zusammenfassen müssen. Zustimmen mag man ihm, wenn er die Verantwortlichkeit jedes Einzelnen hoch stellt. Gewiß muß der Einzelne auf seinem Posten