Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- Die Gesammtorganisation der deutschen Juden
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 423 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Gesammtorganisation der deutschen Juden. 423 Jnowrazlaw, Kattowitz, Köln, Ratibor u. a. Man ersieht also daraus, daß selbst in einer Berufsschicht, die doch naturgemäß das religiöse Element in den Vordergrund stellt, die Idee der Gesammtorganisation volle Zustimmung gefunden hat. Es mag der Vollständigkeit halber hinzugefügt werden, daß die Enquste auch auf Verbände, Vereine und hervorragende Männer der deutschen Judenheit ausgedehnt worden ist; von den Verbänden haben mehrere unbedingt zugestimmt, und ebenso haben viele hervorragende Glaubensgenossen sich persönlich für die Organisation ausgesprochen. Aber selbst die in Beantwortung der Rundfrage ergangenen Ablehnungen und bedingten Zustimmungen bestätigten den Eindruck, daß der Vorschlag einer Gesammtorganisation bei der Majorität unserer Glaubensgenossen in Deutschland einen lebhaften Widerhall gefunden hat. Entschieden ablehnend haben sich eigentlich nur zwei Hauptgemeinden ausgesprochen: Frankfurt a. M. und Dresden, und es ist nicht ohne.Interesse, die Gründe kennen zu lernen, aus denen diese Ablehnungen erfolgt sind. In dem Schreiben des Vorstandes der Israelitischen Gemeinde zu Frankfurt a. M. heißt es: „Unseres Erachtens besitzt die deutsche Judenheit in dem D. I. G. B. bereits eine Organisation, welche den größten Theil der deutschen Juden umfaßt — mehr würde eine neue Organisation im günstigsten Falle auch nicht vereinigen — und die sehr wohl die Aufgaben übernehmen kann, welche der von Ihnen geplanten Gesammtorganisation zugedacht sind. Es würde sich nicht um ein allgemein politisches Werk dabei handeln, sondern nur um Bestrebungen, welche die jüdische Glaubensgemeinschaft als solche berühren. Soweit politische Interessen im engeren Sinne des Wortes in Betracht kommen, erachten wir eine Organisation der Juden nicht für empfehlenswerth, sondern für schädlich." Wir haben diesen Passus aus dem Schreiben der Frankfurter Gemeinde absichtlich wörtlich wiedergegcben, weil gerade aus dieser Ablehnung die Nothwendigkeit der Organisation hervorgeht, denn die Meinung, daß der D. I. G. B. die Sache einer solchen Organisation vertreten könne, ist nach den Verhandlungen des letzten Gemeindetages gründlich zerstört worden. Bedeutungsvoller sind die principiellen Einwände, die nicht von Gemeinden, sondern von einzelnen Richtungen innerhalb des Judenthums und von hervorragenden Persönlichkeiten gegen die Idee der Gesammtorganisation erhoben wurden. Wir beginnen zunächst mit denen, die sich unbedingt gegen jede Organisation aussprechen. Unter diesen steht in erster Reihe Herr Geheimrath Prof. Dr. Hermann Cohen in Marburg, ein Mann, dessen Einwendungen gehört und geprüft