Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 8 (August 1902)
- Article
- Die Gesammtorganisation der deutschen Juden
- Date
- 1902-08-01
- Page
- 422 (sequence 2)
- Language
- German
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422 Im deutschen Reich. geleitet hatten, volle Anerkennung; die Ausführung aber schien den meisten unmöglich und wenn möglich — nicht einmal wünschenswerth. Aber eine Idee, der ein berechtigter Kern innewohnt, geht nicht verloren. Wie ein Samenkorn, das zu rechter Zeit im Halme sprießt, so ist aus der Idee des Judentages die der Gesammtorganisation der deutschen Juden hervorgegangen. Der Unterschied zwischen beiden Plänen liegt für jeden Unbefangenen klar zu Tage. Die Idee der Gesammtorganisation hat deshalb — das kann man schon jetzt feststellen — lebhaften Anklang innerhalb der deutschen Judenheit gefunden. Kein Zweifel mehr, daß sie durchführbar ist und greifbare Gestalt gewinnen wird. Ein kurzer Bericht über die Enquete, welche nach dieser Richtung unternommen worden ist, mag dies bestätigen. Von 1553 Gemeinden haben 227 unbedingt. 7 bedingt ihre Zustimmung gegeben. An sich könnte dies Ergebnis als ein geringfügiges erscheinen, es wird aber dadurch bedeutsam, daß diese 234 Gemeinden in der That die wichtigsten und größten in Deutschland sind, während mehr als 1000 von den im „Statistischen Jahrbuch des Deutsch-Israelitischen Gemeindebundes" verzeichneten Gemeinden wegen ihrer geringen Mitgliederzahl kaum in Frage kommen. Wir nennen von den Gemeinden, die zugestimmt haben: Berlin, Posen, Danzig, Thorn, Bromberg, Beuthen, Magdeburg, Augsburg, Chemnitz, Liegnitz, Glogau, Aachen, Essen, Trier, Mainz, Bonn, Leipzig, Wiesbaden, Schwerin, Darmstadt, Zabrze, Bochum, Halle, Cassel, Rawitsch u. a. Wir haben absichtlich gerade diese Orte aus der großen Reihe der Zustimmenden ausgewählt, um zu zeigen, daß der Vorschlag der Gesammtorganisation in allen Theilen unseres Vaterlandes, im Norden wie im Süden, im Osten wie im Westen, und in allen Kreisen unserer Gemeinschaft, in freisinnigen wie in strenggläubigen, freudigen Anklang gefunden hat. In noch viel höherem Grade gilt dies von der Enquöte, die bei den deutschen Rabbinern veranstaltet wurde. Von 210 Rabbinern haben 84 unbedingt ihre Zustimmung gegeben. Berücksichtigt man, daß bei allen Umfragen vielfach aus Nachlässigkeit und nebensächlichen Gründen nicht geantwortet wird, so wird man diesen Prozentsatz gewiß nicht zu niedrig bewerthen. Auch hier wiederholt sich dieselbe Erscheinung wie bei den Gemeinden, und zwar nach beiden Richtungen hin. Wir finden hier die liberalen Rabbiner der Berliner Hauptgemeinden, ferner die von Aachen, Breslau, Stuttgart, Erfurt, Wiesbaden, Nürnberg, Bamberg, Leipzig, Karlsruhe, Mainz, Hamburg, Stettin neben den orthodoxen Rabbinern von Breslau, Emden, Hamburg