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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 403

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunst-Denkmäler [Rezension]
Date
1902-06-01
Page
403 (sequence 3)
Language
German
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Bücherschau. 403 des Herrn Frauberger noch ein reiches Arbeitsfeld zu Forschungen übrig. Auf das Einzelne hier einzugehen, ist nicht möglich, da die Schilderungen ohne Abbildungen unverständlich bleiben würden. Hervorgehoben wird mit Recht, daß das Fehlen des Glcckenthunns dem Architekten die Aufgabe, schon von außen die Bedeutung der Synagoge als eines Gotteshauses hervorzuheben, sehr erschwert. Er muß sich mit „kleineren Mitteln" behelfen, z. B. stufenweifer Erhöhung der Wand, aufstrebenden Zinnen, langgezogenen Blindfenstern, lateuienartigen Schcinthürmchen u. dgl. m. Waren die Außenseiten der Svnagogen fast dmchgohends ohne besondere künstlerische Bedeutung, so suchte man das Innere um so reicher auszugestalten. Die Synagoge zu Worms mit Frauenraum und Raschikapelle ist zweischiffig, ebenso die Altneuschule in Prag und die Svnagogen in Regensburg, Passau, Damaskus und Ostrog, in welchen überall das Gewölbe von zwei Säulen getragen wird. Da diese Bauten räumlich und auch zeitlich (zwischen 11. und 18. Jahrhundert) weit auseinaaderliegen, so schließt Frauberger wohl' mit Recht, daß hierin eine Erinnerung an die beiden Säulen des ersten Tempels Iachin und Boas liege. Das Almemor, d. h. das Lesepult, ist in den älteren Svnagogen stets getrennt von bcm an der Ostseite liegenden Aron Hakkodesch dem heiligen, zur Aufbewahrung der Thorahrollen dienenden Schranke. Es bestndet sich meistens in der Mitte der Svnagoge, in Aleppo aus dem Vorhefe. Die Stühle umschlossen das Almemor meistens von allen Seiten. Die Eingänge liegen fast überall - - und wob! absichtlich — dom heiligen Schranke nicht gegenüber, sondern seiUicb. Beim spanischen und portugiesischen Ritus fehlt der große rcichgestlckte Vorhang, dafür werden die Thürcn mit kostbaren seltenen Hölzern ausgcstattet. Wanddekorationen und Deckenschmuck sind nichts Seltenes. Die in romanischem und gothischem Stvlc gebauten alten Svnagogen haben meistens keine andere Verzierung, als Gewölberippen, verzierte Schlußüeiue, Säulen und Pfeilerkapitäle, während die Renaissancebauten, besonders in Italien, die Lust ihres Zeitalters am gemalten und Plastischen Fabulieren wiederspicgeln — nur daß neben Pflanzcnmotiven Jbierc selten, die menschliche Gestalt nie dargestellt wird. Häufig finden sich biblische Symbole: die Harfe David's, die Pauke der Mirjam, der siebenarmige Leuchter u. s. w. Zum prächtigen Schmucke werden hebräische Sprüche verwendet. Tie überaus reiche große Synagoge zu Venedig verzichtet auf alle Bilder und ergiebt die vornehmste künstlerische Wirkung von Holz, Steinen und Erz nur durch architektonische künstlerische Gliederung, durch feine lineare Verhältnisse sti der Vertäfelung, schöne Durchbildung der jonischen Wandpfeiler

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