Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunst-Denkmäler [Rezension]
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 404 (sequence 4)
- Language
- German
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404 Im deutschen Reich. und prächtige plastische Arbeit an der Decke, in dem Wechsel der Feldereintheilnng und der dazwischen befindlichen mächtigen Rosetten. Die Fenster bestehen in den älteren Synagogen meist aus sechseckigen oder kreisrunden Butzenscheiben. Glasmalerei ist noch nirgends entdeckt worden. Einen großen Reiz erlangen die alten Synagogen durch die reichliche Verwendung non Beleuchtungskörpern. Die Ampel soll zuerst im Oniastempel zu Alexandria angewandt worden sein. Dazu kommen Ehanukahlcuchter, Jahrzeitlichte, Kronleuchter, die von der Decke herabhängen oder an quer über die Synagoge gespannter Kette befestigt find — auch mächtige Standleuchter. Herr Frauberger kommt zu dem Resultat, daß von einem eigenen Synagogenbaustyl in dem Sinne, wie der griechische oder gothische Stvl, natürlich keine Rede sein könne; immerhin seien gewisse Eigentümlichkeiten vorhanden, deren Eigenart immer deutlicher hervortreten wird, je mehr Forschungsmatcrial ausgebeutet werden wird. Wie man sieht, hat die Gesellschaft in der kurzen Zeit ihres Bestehens schon recht Rühmenswerthes geleistet. Wir wünschen ihr zur Bewältigung ihrer Aufgaben eine, recht schnell wachsende Mitglicderzahl. Dr. Georg Minden. Dr. Ludwig Rosenthal. Babe! und Bibel. Verlag der „Jsr. Wochenschrift". Berlin, 1902. Keine Broschüre der neueren Zeit hat neben Harnack's ,,Wesen des Christenthums" die betheiligten Kreise so sehr in Harnisch gebracht wie Delitzsch's Vortrag-. Babel und Bibel. Denn während in der christlichen theologischen Litteratur der Krieg gegen das rabbinijche Indenthum erklärt wird, soll in der neuen Keilfchriftsorschung die Originalität der religiös-sittlichen Ideen und Institutionen der Bibel bestritten werden. Babel soll die Heimat des israelitischen Gottesbegriffes, der damit in Verbindung stehenden ethischen Grundlagen sein. Bei der großen Bedeutung, die heute wieder die Bibel bei allen Confessionen besitzt, war vorauszusehen, daß solche Ermittelungen auf Widerspruch stoßen würden. Der Widerspruch machte sich in zwei Richtungen geltend. Während nach der einen Richtung die Resultate als verfrüht und falsch bezeichnet wurden, sollte nach der anderen bei aller Anerkennung der assyriologischen Forschung gleichwohl die Bibel ihre Originalität bebalten. Zu den Vertretern der letztgenannten Richtung zählt Ludwig A. Rosenthal in seiner Abhandlung „Babel und Bibel oder Babel gegen Bibel" (Berlin 1902, Verlag der „Jsr. Wochenschrift"). Rosenthal wendet sich in dieser Schrift an zwei Kreise: an die Freisinnigen und die Orthodoxen. Unter Freisinnigen versteht er