Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 390 (sequence 5)
- Language
- German
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Im deutsches Reich. Staate keine andere Gegenleistung als Gewährung der uns zustehenden Rechte und des gesetzlichen Schutzes. Auch in Zeiten, in denen die deutschen Juden wegen ihres Glaubens und ihrer Abstammung Widerwärtigkeiten zu erdulden haben, bleiben sie treue Staatsbürger, gute Deutsche, weiden sie niemals „Coriolane", die dem Vaterlande den Rucken kehren. Aber wir fordern Treue für Treue, Achtung vor der Ethik unserer Religion, Achtung vor unfern Menschenrechten. Und dieses Ziel werden wir erreichen in einem Staate, dessen Monarch selbst verkündete: „Recht muß Recht bleiben!" Er wies uns aber auch auf den Weg zu unserm Ziele mit dem Satze: „Wer Gott oertraut und feste um sich haut, hat nicht aus Sand gebaut!" Jedes Recht will erkämpft {ein und zwar durch die, die es angeht, die unter der Verkümmerung des Rechts selbst leiden. Was christliche Ehrenmänner, wie Gneist und Rickert u. a. m. aus Gründen der Menschlichkeit und aus Rechtsgefübl für die Abwehr solcher Verkümmerungen geleistet haben, heischt gewiß Dank und soll unvergessen bleiben; wir wollen aber selbst für unsere gute Sache kämpfen mit der Begeisterung, die nur der haben kann, welcher am eigenen Leibe fühlt, was ihm angetban wird. Wenn man die Stellung der Juden in Deutschland mit derjenigen ihrer Glaubensgenossen in Italien vergleicht, wenn inan siebt, wie man das vom Centrum empfohlene Prinzip der „Parität" nur dort gelten lassen will, wo etwa ein Jude mehr zufällig Anstellung finden könnte, als ihm nach dem cinprozentrgen Verhältnis der jüdischen Bürger zur Gesammtbevölkernng zukomme, aber beileibe nicht etwa im Jfsiziersstande oder in irgend einem Verwaltung^? zweige — dann wisse man, daß die dentschen.Juden es „noch nicht herrlich weit gebracht" haben. Sie werden es aber weiter bringen, wenn der Central-Verein alle deutschen Juden umfassen wird,;md seine Leiter im Namen von einer halben Million der deutschen Bevölkerung werden sprechen dürfen. Zur Erreichung dieser hohen Ziele könnten auch die Frauen beitragen, die Erzieherinnen unserer Kinder, die den Kampf, den wir jetzt führen, fortführen und die Früchte des Sieges ernten sollen. Auf dem Felde des Central-Vereins stehen die deutschen Juden der verschiedensten politischen und religiösen Richtungen zur manuhaften Abwehr brüderlich geeint zusammen. Wer unsere Ziele und unsere Wege billigt, trete ein in die Reihen der Mitkämpfer, damit er, wenn ihm einst die Waffe entsinkt, wenigstens ruhigen Gewissens sagen kann: „Ich habe meine Schuldigkeit gethan." — Die an diesen Appell sich anschließende Diskussion beschränkte sich auf eine Anregung zur größeren Verbreitung der Vereinsschriften nach außen. * Dies veranlagte Herrn Rechtsanwalt