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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 389

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-06-01
Page
389 (sequence 4)
Language
German
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IRI
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Vereinsnachrichten. 389 hatte, sprach Herr Rechtsanwalt Dr. M. Horwitz in zündender und wiederholt durch Kundgebungen lebhafter Zustimmung unterbrochener Rede über „Unsere Ziele und Wege." Wer die Darlegungen des Vorredners gehört, den müsse es Wunder nehmen, daß nicht alle deutschen Juden bereits es als Notwendigkeit empfunden hätten, sich eimnüthig im Central - Vereine zusammcnzuschaarcn zur Sclbstverthcidigung, zur Wahrung ihrer Rechte und Ehre gegen die Angriffe der wissenschaftlichen und der Rasse-Antisemiten. Finanzielle Gründe fömttcn niemanden darin hindern, eine solche (schon für einen Mindcst- Jahresbeitrag von 2 Mk. zu erlangende) Mitgliedschaft zu erwerben, damit eine eminent gute Sache zu fordern und sowohl durch Vorträge als auch durch das Dereinsorgan „Im deutschen Reich" geistiges Rüstzeug für den Kampf zu erlangen, der jeden deutschen Juden angeht. Die Zahl der Mitglieder sei deshalb schon eine große, das Ziel, alle deutschen Juden im Ccntral-Vercine zu einer imposanten und einflußreichen Masse zu vereinigen, aber noch lange nicht erreicht. Von denen, die noch fern geblieben, entschuldigen sich viele mit äußerlichen Rücksichten; sie scheuen davor zurück, sich als Staatsbürger jüdischen Glaubens offen zu bekennen, gewinnen aber bei dieser Vogel-Strauß- Politik weder an Sicherheit noch an Achtung. Andere verschieden ihren Beitritt, bis der Central-Verein größere Erfolge aufzuweisen baden werde. Daß der Central-Verein Erfolge nach außen und nach innen erzielt hat, ist aber bekannt; sie fortwährend aufzuzählen, wäre aus taktischen und erheblichen Gründen nicht rätblicb. Die Judenfeinde würden sofort die Erfolge übertreiben, um gegen die angebliche Judenmacht Mißtrauen;u säen. Die Bürger jüdischen Glaubens sollen für eine große Sache kämpfen lernen, nicht weil der Sieg gewiß ist, sondern weil ihre Sache gut und gerecht iü, weil Unrecht schweigend dulden als nichts anderes erscheint, denn alo das Eingeständniß, mit Recht zu leiden. Noch bestehe die Gleichberechtigung der deutschen Juden gesetzlich, wenn sie auch auf dem Wege der Verwaltung vielfach verkürzt werde. Würden die Juden nicht dafür foitkämpfen, daß die Emancipaticn mehr als ein Blatt Papier sei, dann würden die Antisemiten ihr Ziel erreichen, auch dieses Papier zu zerreißen und die Juden gesetzlich zu entrechten. Die rückschrittliche Strömung im preußischen Abgeordnetenhause sei eine ernste Warnung, aber auch eine verstärkte Mahnung zur Wahrung echt reichstreuer Gesinnung unter den deutschen Staatsbürgern jüdischen Glaubens. Diese Gesinnung ist jedenfalls ehrlicher als die jener Maulhelden, welche die nationale Flagge zur Erreichung elender Zwecke mißbrauchen. Wir verlangen vom

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