Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 388 (sequence 3)
- Language
- German
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388 Im deutschen Reich. nicht sei, das „bankerott gemacht" habe. Harnacks Verherrlichung des Christenthums bilde im Grunde die glänzendste Rechtfertigung des Judenthums, besten Bekenner über fünf Fundamentalsätze keine Meinungsverschiedenheiten kennen. Diese Grundsätze sind: 1. das Judenthnm ist die einzige dogmenfreie Lehre und daher allein reine Religion, A das Judenthum lehrt den reinen Monotheismus, das Judenthum widerspricht der Annahme der mit der Gerechtigkeit Gottes unvereinbaren Erbsünde, -l. der Jude hält fest an der Ueber. zeugung, daß die biblische Wahrheit lautere unübertroffene Wahrheit ist, 5. das Judenthum enthält die höchste Sittlichkeit in den Weisungen „Seid heilig!" und „liebe deinen Nächsten wie dich selbst!" — Uns ist das Judenthum, das wir haben, reine Religion, wahrend andere Bekenntnisse danach ringen müssen, sich das Wesen ihrer Religion erst zu konstruieren. Der Redner bezeichnete hierauf als die besten Abwehrmittel gegen den Antisemitismus die rechte Erziehung der Jugend zur Religion und die tbatkräftige Unterstützung der Vereinigungen, welche die Bekämpfung der judenfeindlichen Bestrebungen sich zur Aufgabe gemacht haben. Der religiöse Judiffereutismus sei gefährlicher als der Antisemitismus; deshalb müsse die jüdische Jugend durch einen rationellen Religionsunterricht, welcher der Jugend die Kenntnis; des Judenthums wie des Christenthums vermittele, von der (Erhabenheit ihrer Religion überzeugt werden. Unsere Kinder sollen wenigstens erfahren, weshalb sie leiden muffen und daß es edel und schön sei, für eine große Sache zu leiden. Die Erwachsenen aber müßten sich im Central-Vereine zu einem Bund aller deutschen Juden zusammenschlicßen, um in und mit demselben felsenfest und einträchtig für Wahrheit und Recht einzustehen. Dann werden sie den Männern, die ihnen, wie Paulsen, rathen, durch die Taufe allen Verfolgungen zu entgehen, zeigen, daß die Juden nicht käuflich sind, nicht mit der Wahrheit Wucher, nicht mit der religiösen Ueberzeugung Schacher treiben. Dann werden sie nicht nur dem Judenthum, sondern dem gesammteu deutschen Volke Segen bringen, indem sie dieses von der Schmach der Unkultur befreien helfen und dann wird auch der neuteftamentliche Spruch zur Wahrheit werden, „denn das Heil kommt von den Inden!" — Dem Redner wurde nach dem Schluffe des Hortrages von allen Anwesenden langanhaltender Beifall gezollt, der sich wiederholte, als die Versammlung der Aufforderung des Vorsitzenden folgte, ihrem Danke für die von Begeisterung durchglühten Ausführungen des Vortragenden auch durch Erheben von den Sitzen Ausdruck zu ge'^en. — Nachdem Herr Rechtsanwalt Dr. Lövinfon den Vorsitz übernommen