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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 387

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-06-01
Page
387 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Vereinsnachrichten. 387 Jahre 1869 stammende falsch aufgelegte Aeußerung Renans über die semitische Rasse werde dazu benutzt, die Juden als eine inferiore Nasse hinzustellen, der man Rechte vorenthalten oder entziehen dürfe. In Wirklichkeit sei aber der Jude als NasseneinheiL eine nur erdachte Figur; die geschichtlich nachzuweiscnde vielfache Vermischung mit anderen Volksstämmen habe keine NasseneinheiL bei den Juden zugelassen; wissenschaftlich sei die Rassentheorie hierbei ganz unhaltbar. Was als Nasseneigenthümlichkeit der Juden vielfach angesehen werde, sei nichts weiter als das Produkt von Klima und Lebensführung und zeige in den verschiedenen Staaten so grundverschiedene Erscheinungen, daß von gleichmäßigen angestammten Eigenarten der Juden nicht die Rede sein könne. So unhaltbar wie die Rassentheorie sei auch die Verherrlichung der indogermanischen Schöpfungen auf Kosten der jüdischen Ueberlieferungen. Die vedischen Dichtungen, welche z. B. Ehamberlain als die „germanische Bibel" über die jüdische zu stellen versucht habe, seien weder so alt noch von so tiessittlichem Gehalt wie das Alte Testament, geben vielmehr niedrige Gesinnungen kund, welche Paul Deussen vergeblich zu beschönigen versuchte. Die Juden werden aber auch aus religiösen Gründen angegriffen, wobei man ihr Verhältnis; zu dem Stifter der christlichen Religion falsch darstelle und zur Verherrlichung der Tochterrcligion eine Inferiorität der Mutterreligion herauozuklügeln sich bemühe. Der Vortragende verwies auf den kläglichen Versuch des Rasseantisemiten Ehamberlain, aus dem Juden Jesus den Abkömmling einer nach (Galiläa versprengten indogermanischen Familie zu machen, ferner auf die ernster zu nehmenden Ausführungen der christlichen Theologen Wellhausen und Harnack, wonach der Stifter des Ebristenthums die höchsten sittlichen Lehren aus dem „Wust talmudischer Gelehrsamkeit" herausgeschält haben solle. Was im Ehristenthum den eigentlichen ethischen Kern bilde, sei jüdisch wie Jesus selbst. Kein Geringerer als Friedrich der Große habe aber in einem Briefe an D'Alembert bekannt, daß das Ehristenthum seiner Tage der Lehre (Christi nicht entspreche. Das hat in unseren Tagen keiner tiefer als Harnack empfunden. Was aber Harnack als Ehristenthum lehre, um die Inferiorität des Judenthums nachzuweisen, erkennen die positiven christlichen Theologen nicht mehr als Ehristenthum an. Professor Adolf Laffon nennt es ein modifiziertes Judenthum, „die vergeistigte Religion Israels;" ähnlich äußert sich der Erlanger Theologe von Frank. Wer die Schriften von Kaftan, Pfieiderer und Lavelleye liest und dabei beobachtet, wie christliche Theologen und Gelehrte die spezifisch christlichen Dogmen preisgcben, der muffe zu der Erkenntniß gelangen, daß es das dogmenlose Judenthum wahrlich

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