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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 375

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
Berlin
Date
1902-06-01
Page
375 (sequence 10)
Language
German
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Korrespondenzen. 375 Staatsanwalt Koblick. Die Verhandlung beginnt mit der Vernehmung des Grafen Pückler. Auf die Frage, ob er sich schuldig bekennt, erklärt Graf Pückler: Der Inspektor hat mir geschrieben, ob er die Bahn zerstören könne, und da habe ich ihm geantwortet ja. — Vors.: Es hätte doch leicht ein Unglück geschehen können, und das ist hier nur durch einen Zufall verhindert worden. — Graf Pückler i lachend): Ich wollte dem Manne einen Schabernack spielen. — Vors.: Sie waren Referendar? — Graf Pückler: Ja, Gott, ich bin eine zeitlang Referendar gewesen. Außerdem war ich damals in der Politik (!) thätig. — Inspektor Kirchner erklärt, daß er geglaubt habe, den Befehl seines Ehefs befolgen zu müssen. — Die vier Arbeiter sagen aus, sie hätten den Befehl befolgt, weil sie nicht brodverlustig geben wollten. — Graf Pückler: Die Leute sind gewöhnt, zu thun, was ich befehle. Ich bin der einzige verantwortliche Redakteur. < Heiterkeit.) — Hierauf ergreift der Erste Staatsanwalt Koblick das Wort: Von einer bebauten Straße im Sinne des § 305 könne keine Rede sein, er bestreite die Rechtswidrigkeit, sowohl die subjektive als die objektive. Der Staatsanwalt begründet dies des Näheren. Er behält sich vor, für den Fall, daß der Gerichtshof seinen Ausführungen sich nicht anschließen sollte, ein Gutachten des Geh. Sanitätsrath Reumann über den Geisteszustand des Angeklagten zu veranlassen. Er beantragt Freisprechung des Grafen Pückler und auch der übrigen Angeklagten. "Rach halbstündiger Berathung erklärt der Vorsitzende, daß das Gericht beschlossen habe, nochmals in die Beweisaufnahme einzutreten. Geh. Sanitätsrath Ho. Reumann leistet den Zeugeneid. — Vors.: Was ist Ihre Meinung? — l)r. Reumann: Es ist eine etwas schwierige Frage, weil ich noch niemals mit dem Grafen Pückler gesprochen habe. Ich habe eine ganze Reibe von Zeitungsberichten erhalten. Gespräche gehört u. s. w., nach denen allerdings Graf Pückler sich in früherer Zeit etwas eigenthümlich ... — Graf Pückler (unterbrechend): Verzeihen Sie, soll der Herr mich auf meine geistige Zurechnungsfähigkeit untersuchen? Ich fasse das als persönliche Beleidigung auf, ich weiß ganz genau, was ich zu thun und zu lassen habe. — Vors.: Ich bitte, sich ruhig zu verhalten. — Graf Pückler: Ich bitte, sich danach zu richten. — Vors.: Sie haben den Herrn Sachverständigen nicht zu unterbrechen. — Graf Pückler: Als persönliche Beleidigung! Ich erkläre das hiermit, wenn Jemand mich auf meinen Geisteszustand untersuchen will, denn ich gehöre zu den „Führern der politischen Parteien." — Geh. Sanitätsrath Dr. Reumann: Ich weiß nicht, ob der Graf Pückler an Krankheiten früher gelitten hat, oder ob in seiner Familie irgend welche

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