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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 373

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
Berlin
Date
1902-06-01
Page
373 (sequence 8)
Language
German
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Korrespondenzen. 373 man sich nur, daß die „Deutsche Hochwacht" nicht auch hinter „Jütland" Ausrufungs- oder Fragezeichen oder in Parenthese „Jüdland?" setzte, um dem feinen Geschmack ihrer Leser Rechnung zu tragen, von denen ja doch die wenigsten wissen werden, daß in jener Gegend Juden kaum anzutreffen sind. Vor der 4. Strafkammer des Berliner Landgerichts I hatte sich am 8. Juni der Herausgeber der „Israelitischen Wochenschrift", M. A. Klausner, wiederum wegen Beleidigung des antisemitischen Schriftstellers Dr. Giese zu verantworten. Rach mehrstündiger Verhandlung, in welcher es wiederum zu heftigen Wortgefechten zwischen den Parteien kam, erkannte der Gerichtshof auf!00 Mk. Geldstrafe eventuell 20 Tage Gefängniß. Dem Angeklagten wurde der Schutz des § 193 (Wahrnehmung berechtigter Jntereffen) zugebilligt, da er als Jude durch das „Gutachten" des Dr. Giese bei der Umfrage über den Ritualmord schwer gereizt und seine Erregung in der Schöffengerichts-Verhandlung noch verschafft wurde. Da aber die von ihm gebrauchten Redewendungen und Ausdrücke zweifellos beleidigender Natur waren, habe der Gerichtshof zur Verurteilung gelangen müssen. Neulich hat eine durch den „Vorwärts" bekannt gewordene christliche Aeußerungdcs Apothekenbesitzers Herrn Dr. von Walck Aussehen erregt, in welcher gesagt wurde: „Es ist ein Skandal, daß die Krankenkassen noch nicht verstaatlicht sind. Unsere Militäranwärter harten da gute Unterkunftostellen; so haben dieselben die Herren Proleten wie Cohn und sonstige Hebräer." Herr Dr. von Walck hat aber nachträglich in einem Schreiben an uns seinen Ausdruck mit großer Nervosität entschuldigt und zugleich betont, daß er dem Antisemitismus durchaus fernstehe. Er verkehre selbst in jüdischen Kreisen, und bedauere den Zwischenfall. Die „Berliner Ztg." berichtete vor einigen Wochen: „An einem Sonntagmorgen, erschien am 6. April, gegen lj2 7 Uhr. im Cafe Riede! am Belle-Alliance-Platze eine Schaar von etwa 30 Männern und begann das Lied „Deutschland, Deutschland über alles" zu singen. Alle Bitten des Geschäftspersonals um Ruhe blieben erfolglos; als sich die Wirthin ins Mittel legte, wurde sie beleidigt; und als schließlich der Wirth, Herr Fiering, geweckt worden war und das Aufhören des Skandals — ein Sang folgte dem anderen — herbeizuführen suchte, wurde auch ihm seitens des Obersten der Sänger die Antwort: „Hier hat niemand etwas zu befehlen, als ich. Mein Name ist Bruhn, Verleger der Staatsbürger-Zeitung". Herr Fiering antwortete schlagfertig: „Auch wenn Sie Verleger des Teltower Kreisblattes

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