Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 360 (sequence 10)
- Language
- German
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360 Im deutschen Reich. scheinen aber doch redaktionell geändert zu sein. Der Gastwirth von Hauptwil wird zwar als Lump und als von Juden bestochener Giftmörder bezeichnet, und den „verbummelten schweizerischen Bundesbrudern" werden einige preußische Divisionen auf den Hals gewünscht, die „alles kurz und klein schlügen", aber nach dem Berichte anderer Ohrenzeugen lautete jene Äußerung weil drastischer, nämlich: „Die Schweizer sind ein heilloses Gesindel von Giftmischern, Lügnern, Hallunken, Gaunern, Halsabschneidern, Strolchen und Dieben, und es konnte nur Ordnung dort geben, wenn einmal eine preußische Division einmarschierte und alles kurz und klein schlüge." Daß die Schweizer, denen diese Aeußerungen bekannt worden sind, sich solche Beschimpfungen gefallen lassen werden, der Gastwirth von Hauptwil zu der Beschuldigung eines Giftmordverjuchs schweigen wird, ist kaum anzunehmen. Da Graf Pückter Glogauer Juden in seiner Rede der Anstiftung zu diesem Verbrechen geziehen hat und diese Rede als Flugblatt auch in Glogau vertheilen ließ, ijt — wie die „Staatsbürger Ztg." mitrheilt — von Mitgliedern der dortigen Synagogen-Gemeinde Strafantrag wegen Beleidigung und Verleumdung gestellt worden^ Ob sich der Strafrichter oder der Irrenarzt mit einem Manne zu beschäftigen hat, der solche Reden öffentlich hält und nach deutlicher Beschreibung der drastischen Folgen seiner angeblichen Vergiftung hinzufügt: „In dieser Roth schrie ich zum Herrn der Heerfchaaren, zu dem Könige aller Könige, und Christus selber war mir nahe in seiner hehren Majestät" — das wagen wir nicht zu' entscheiden. Das aber steht für uns fest, daß eine Zuhörerschaft, die solchen gotteslästerlichen Reden zujubelt, nicht das lobende Zeugniß verdient, welches ihr egn dann haben Sie dock, wenigste s ein kleines Vergnügen gehabt. Die Sache wird Ihnen schon Spatz machen, ich versichere Sie. nur müssen Sie endlich den Anfang machen; denn nichts geht über eine schöne, frische und fidc'e Keilerei." Dazu bemerkt die „Volkszcitung": „(53 ist für die Auffassung, die die Herren dcö Pücklcr . Moniteurs über die Strafbarkeit dieser nicht im mindesten „bildlichen" Stelle haben, bezeichnend, daß man die kriminelle Verantwortlichkeit dafür dem Redner selbst überlaßt, denn man hat auf dem betreffenden Zeitungsbogen vermerkt: „Für den Inhalt preßgesetzlich verantworlich: Graf Pückler-Kl. Tschirne, z. Z. Berlin." Leider hat das Reichsgericht in dem bekannten Prozeß v. Gerlach entschieden, daß ein derartiges Verhalten dem Paßgesetze gegenüber die Herausgeber bezw. verantwortlichen Redakteure einer Zeitung nicht von ihrer Verantwortlichkeit ent» bindet. Immerhin: charakteristisch für die Vcrhältniffe im antisemitischen Lager st't das plötzliche Auftauchen Pückler'S in der Rolle eines verantwortlichen Zeichners für einen Theil des ehemaligen Ahlwardt - Moniteurs auf alle Fälle."