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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 361

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-06-01
Page
361 (sequence 11)
Language
German
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Umschau. 361 Berliner Polizeileutnant einst an Gerichtsstelle ertheilte, sondern selbst das traurigste Zeugniß dafür liefert, wie sehr der Antisemitismus bereits die Sitten vergröbert und die Urteilsfähigkeit von Leuten beeinträchtigt hat, die ein Polizeilcntnant noch als sehr anständig bezeichnen zu müssen glaubt. Selbst ein so entschiedener Antisemit wie der Abg. Liebermann von Sonnenberg hält es nicht für anständig, solchen „Dreschflegeleien" zuzustimmen; denn in seinem Organ, den „Deutsch-Sozialen Blättern" vom 12. Juni schreibt er: „Unsre deutschsozialen Parteigenossen in Berlin und im Reiche werden es begreifen, wenn wir uns verpflichtet fühlen, jetzt die öffentliche Bitte auszusprechen, daß man im Interesse des Antisemitismus sowohl als des schwerkranken Mannes jedes fernere öffentliche Auftreten desselben bis zu seiner vollen Genesung unmöglich zu machen sucht". Für das, was Graf Pückler am 6. Juni in Berlin gesagt hat, wollte selbst die Redaction der „Staatsbürger-Zeitung" die „preßgesctzliche Verantwortung" nicht übernehmen. Herr Wilhelm Bruhn selbst wagt schon dagegen etwas mehr, indem er sich als Herausgeber solcher aufreizenden Reden und Vertreter derselben in Flugblattform strafbar macht — weil es mehr Geld eiubriugt als eine etwaige Geldstrafe ausmachen würde. Graf Pückler hat übrigens keinen Zweifel daran gelassen, daß er die für die Erlaubnis zur Rückkehr nach Deutschland gestellte Kaution von 5000 Mk. im Stiche lassen würde, um „einer unwürdigen Behandlung" zu entgehen. Gewissermaßen gehört er ja jetzt durch seine „preßgejetzlich.verantwortliche" Zeichnung einer Extra- Ausgabe zu dem Generalstab des Corps, von dem bereits ein ebenso kampflustiges Mitglied, Böckler, sich in recht „undeutjcher" Tapferkeit aus dem Staube machte, weil sein Muth nicht ausreichte, die Folgen seiner Thaten mannhaft zu tragen. Auch Herr Bruhn rechnet sicher auf eine .Hinterthür, um im rechten Augenblicke zu entschlüpfen, denn er hat diese Kunst erst kürzlich in dem von Dr. H. Hildesheimer erhobenen Beleidigungs- Prozeß erprobt. Der Bericht der „Staatsbürger-Zeitung" über eine von Bruhn am 6. März v. I. gehaltene Rede, in der von Dr. Hildesheimer gesagt wurde, daß er alle Fäden eines Verdunklungs- Komites in Könitz in der Hand gehabt, hatte eine Verleumdungsklage gegen Bruhn und I)r. Böckler zur Folge, die aber bis zur Erledigung des Schiller-Prozesses vertagt wurde. Inzwischen war Dr. Böckler ausgekniffen, und Wilhelm Bruhn verstand es, auch rechtzeitig zu „kneifen". Er machte, soweit es sich um Beleidigungen durcb seine Zeitung handelte, den Einwand der Verjährung geltend, betreffs

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