Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 359 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. 359 indischen Veden sondern dem Pentateuch alle Kulturvölker das Gebot der Nächstenliebe, sowie die Vorschrift, sich nicht zu rächen oder nach, zutragen. Der grimme Hagen und die rachsüchtige Keiemhilde der „Nibelungen" sind bekanntlich Gebilde, welche der urgermanischen „Edda" mit ihrer Verkörperung fühlloser Naturgewalten ihre Entstehung verdanken. Wo in der Neuzeit die Silken wieder vergröbert sind und eine verengerte Lebensanschauung vorherrscht, da kehrt man sich unwillkürlich wieder den gefühllosen Spukgestalten der dunkelsten Zeiten zu und kehrt dem strahlenden Lichte, das zum Heile der Welt im Oriente aufging, beharrlich den Rücken. Wie verrohend der lichtscheue antisemitische Geist bereits auf weite Kreise des Volkes gewirkt hat, das zeigt sich am deutlichsten in jeder Pückler - Versammlung, in der Tausende aufjubeln, wenn der exaltirte schlesische Magnat im niedrigsten Tone zu rohen Ausschreitungen gegen eine wehrlose Bevölkerungs - Minderheit aufreizt, aber gelangweilt gähnen, wenn der verzückte Redner in den Prediger, ton verfällt und, wie er dies wieder am 6. Juni gethan hat, mit hochgehobenen Händen dem Himmel dafür dankt, daß „er nur das schwache und gehorsame Geschöpf in der Hand eines Höheren sei". Herr Wilhelm Bruhn, der es als Geschäftsantisemit nicht unter seiner Würde hält, aus einer Sammlung der rohesten Schimpfereien eines der „Edelsten der Nation" Kapital für seine Zeitung zu schlagen, hat die am 6. Juni von dem Grafen Pückler gehaltene Rede in einer Ertra-Ausgabe der „Staatsbürger. Zeitung" weiter verbreitet. Die unnütze Führung des Namens Gottes in dieser Rede voll Aufreizung zum Klaffen, und Rassenhaß und zur Revolution, die Verhöhnung der Behörden, die Pückler auffordert, „ihn wieder anständig zu behandeln", sind wortgetreu in dieser Ertra - Ausgabe wiedergegeben, auch die Schimpfereien auf das „scheußliche Judcnthum" und die „scheußlichen jüdischen Kanaillen", auf das „verruchte Scheusal Singer", auf die angeblich „im jüdischen Fahrwaffer segelnde deutsche Regierung", auf die als „Satans Stuhl" bezeichnete Stadt Glogau, auf die freundliche Einladung an die Sozialisten, sich an dem kleinen Kladderadatsch der Judenverdrejchung zu betheiligen*). Einzelne Stellen Diese Aufforderung zu G ewaltt h ä tigkeiten lautet wörtlich: „Sie wollen ja immer so eine kleine Revolution machen, meine Herren; wenn Sie aber warten wollen auf den großen Kladderadatsch, dann können Sie vielleicht noch ziemlich lange warten, und sterben möglicherweise unterdeffen, und dann haben Sic garrüch's gehabt von den großen Opfern, die Sie gebracht für Ihre Partei. Ich rathe Ihnen also dringend, machen Sie mit unS den kleinen Kladderadatsch und verdreschen Sie mit uns die Juden,