Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 357 (sequence 7)
- Language
- German
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Umschau. 3?>7 Gäbe es'eine große studentische Organisation, welche offen und ehrlich dem Gnmdsatze huldigte, von solchen unberechtigten Fragen ganz abzustehen, dann würden die konfessionellen studentischen Vereinigungen nicht die jetzige Bedeutung haben. Daß sie diese erlangt haben, ist aber für das Judenthum ein Vortheil, und dieser Gewinn wäre noch größer, wenn diese Vereinigungen stets in den wichtigsten jüdischen Fragen gemeinsam vorgingen und bei der Abwehr äußerer Angriffe alle internen Meinungsverschiedenheiten bei Seite ließen. Daß es selbst bei der größten Vorurtheilslosigkeit der Finkenschaft noch weiterhin katholische Verbindungen geben würde, ist kaum zweifelhaft. So viel steht aber fest, daß die Juden sich niemals freiwillig absondern, daß sie nur dort die Exklusivität für angezeigt halten, wo ihre Glaubenstreue oder ihre Mannesehre ihnen dieselbe aufzwingt. Die Nachkommen der Männer, welche dem Zusammenbruch der Ghettomauern zujubelten, schließen sich nicht freiwillig durch neue Schranken von ihren Mitbürgern ab, aber sie können sich heutzutage fast nur noch im engeren Anschluß an ihre Glaubensgenossen wohl fühlen, weil sie dort vor schnöden Angriffen auf ihre heiligsten Güter sicher sind und meistens mehr von unverfälschter deutscher Gesittung und Gesinnung antreffen als in jenen Kreisen, in denen der Antisemitismus die Lebensanschauungen verengert und die Sitten verroht. Daß dem so ist, geben einzelne antisemitische Organe, wenn auch widerwillig, selbst unwissentlich zu, und dieses Zugeständnis verliert dadurch nicht au Werth, daß sie die in den jüdischen Organisationen sich bekundende treffliche Selbstzucht nur als eine Folge der antisemitischen Anfeindungen darstellcn. Das Hamburger „Deutsche Blatt" schreibt z. B. aus Anlaß der Begründung der jüdischen,Turncrschaft von 1902 Zu Hamburg": „Daß 'mau im jüdischen Lager thatsächlich krampfhafte Anstrengungen macht, die von den Judengegnern enthüllten Blößen zeitweilig zu verstecken, zeigt sich mehr und mehr. Parallel mit der geflissentlichen Anftändigthuerei des Einzelnen geht auch ein korporatives Bestreben, so zu thun, als sei die Kntik des Judenthums durch die Antisemiten ungerechtfertigt. Freilich kann das hier wie da nur eine ganz oberflächliche, des Denkens entwöhnte Menge, wie im oben erwähnten Beispiel gekennzeichnet, über das tatsächliche Wesen der Juden täuschen, wie es wieder völlig ungemäßigt zum Durchbruch kommt, sobald man die antisemitische Bewegung nicht mehr fürchtet. Das gilt von unterschiedlichen Vereinen, z. B. von dem zur Förderung des Handwerks, der Landwirthschast u. dergl. unter den Juden. Nicht Lust und Liebe zur schweren Arbeit, Zandern die Furcht vor dem Antisemitismus (?) treibt zu diesem Mummenschanz.^