Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 8 (1902)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1902)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1902-06-01
- Page
- 355 (sequence 5)
- Language
- German
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Umschau. 355 Deutschen zu werden und unser Judenthum abzustreifen. Dann werden nicht mehr die Maccabäer, sondern die Hohenzollern unsere Nationalhelden sein, dann werden nicht mehr Jesaias und David, sondern Goethe und Schiller unsere Dichterheroen sein. Diesem Bestreben werden wir uns willig unterwerfen und dabei immer daran denken, was in den 90 Jahren der Emancipation schon erreicht worden ist. Was wir aber dabei fordern dürfen, ist Zeit und mehr Entgegenkommen von arischer Seite. Eine Sonderstellung bis zu diesem Zeitpunkte kann dem Judenthum nur schaden, und wenn es der Gegenseite so sehr darum zu thun ist, wie sie behauptet, daß das deutsche Volk zur Einheit in nationalen Dingen komme, so darf man keine Ausnahmegesetze gegen uns zur Anwendung bringen, die unser Hineinwachscn in das deutsche Volk erschweren müssen, und dann darf auch innerhalb der dreien deutschen Studentenschaft keine Ausnahmestellung der jüdischen Commilitonen geduldet oder gar angestrebt werden. Unddeshalb geben die jüdischen Eomnnlitonen hier die Erklärung ab, daß sie mit Freuden bereit sind, ihr Judenthum zu Gunsten des deutsch-nationalen Gedankens und im Vertrauen auf das verständnißvolle Entgegenkommen der arischen Commilitonen aufzugeben." — Zu einer solchen Erklärung können jüdische Studenten Herrn Dombrowski unmöglich autorisiert haben, der im Laufe der Verhandlung selbst bewies, daß er nur für sich und nicht für eine Gejammthert gesprochen hatte. Als nämlich der Leipziger Student Pfaff bestritt, daß die Judenfrage nur eine Sprachenfrage sei, und dem Studenten Dombrowski empfahl, nur in den Spiegel zu sehen, rief dieser empört Pfui! und bezeichnete den Hinweis auf die Gesichtvbildung als den schlechtesten Einwand der Gegner. Er nahm aber den Pfuiruf schleunigst wieder zurück, als Pfaff erklärte, ihn nicht persönlich gemeint zu haben. Wohlthucnd berührte es, daß der stud. lech. Behrens-Charlottenburg erklärte, die freie Studentenschaft habe sich nicht mit politischen Fragen, also auch nicht mit der Judenfrage zu beschäftigen, und als Brückner-Leipzig bestritt, daß das provokatorische Auftreten jüdischer Commilitonen den Antisemitismus in der Studentenschaft hervorgerufen habe; diese Bewegung widerspreche der deutschen Hochherzigkeit. Auf die Empfehlung des Studenten Eberlein - Halle, der Massen wegen die jüdischen Commilitonen nicht zu sehr in den Vordergrund zu stellen, erwiderte der jüdische Student Salamonski- Berlin, daß nur die Unthätigkeit der arischen Commilitonen die jüdischen in die leitenden Stellungen hineingedrängt habe. Einigen stark antisemitischen Auslastungen des Studenten Jacob-Leipzig, der