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Im deutschen Reich · 1902-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1902) · p. 354

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
8 (1902)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1902)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1902-06-01
Page
354 (sequence 4)
Language
German
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354 Im deutschen Reich. gegen sie unbegründet seien. Nachdem Hahn-Braunschweig berichtet hatte, daß an der dortigen technischen Hochschule von dem Gegensätze zwischen arischen und semitischen Commilitonen nichts zu spüren sei, vertheidigte vr. Ohr-Berlin den Anüsemitis.nus mit allerlei Vorwürfen gegen angebliche „Provokationen dreister und vorlauter jüdischer Commilitonen". Dieser Herr, dem Dr. Böhme in den „Akademischen Blättern" bekanntlich s. Zt. ein Vertrauensvotum ertheilt hat, gestattete sich, von den jüdischen Finken zu fordern, daß sie das Gastrecht achten und den Empfindungen der Gesammtheit Rechnung tragen müßten. Dies war freilich dem deutsch-nationalen Vertreter des Standpunktes des „Vereins deutscher Studenten" schließlich weniger zu verübeln, als dem jüdischen stucl. pbil. Dombrowski- Leipzig das schwächliche Bestreben, den unberechtigten zarten Empfindungen des Antisemiten wirklich Rechnung zu tragen. Wir müssen dagegen Verwahrung einlegen, daß man etwa einen jüdischen Jünger der alma mater als einen Vertreter der jüdischen Studentenschaft oder gar der Juden betrachten sollte, der, wie Herr Dombrowski, dem Antisemitismus stlche weitgehenden Zugeständnisse macht, welche den thatsäcblichen Verhältnisien gar nicht entsprechen und keine Spur jenes Selbstgefühls' tragen, welches die deutschen Juden in sich tragen sollen und erfreulicher Weise auch zu verleugnen gar keine Ursache haben. Herr Tombrowski jagte leider u. a.: „Wir Juden geben gern zu, daß vereinzelt jüdische Commilitonen vorhanden sind, die einen gewissen Antisemitismus berechtigt machen. Auf der anderen Seite aber müssen wir es auch lebhaft beklagen, daß oft ohne jeden Grund und Anlaß gegen den jüdischen Commilitonen Stellung genommen wird, nur weil er eben Jude ist. Dabei fehlt den meisten Commilitonm aber oft jeder Maßstab dafür, wo das spezifisch Jüdische ansäugt. Eine Kulturgeschichte des neuen Judenlhums datiert erst von dem Moment an, da sich, die Thore des Ghetto's öffneten. Selbstverständlich hat das Judenthum in dieser kurzen Zeit nicht alle seine Fehler abstreifen können. Wir sind auch heute noch nicht zu einem Bestandtheil der deutschen Nation geworden. (Zuruf: Na also! Heiterkeit und Beifall.) Wir haben auch gewiffe Charactereigen« thümlichkeiten noch nicht ganz auszurotten vermocht.' Allein, liegt denn trotzdem die ganze Schuld, daß es einen Antisemitismus giebt, an uns ganz allein? Behandelt man auf der anderen Seite unsere Fehler, die wir abzustreifen uns bemühen, mit einer gewissen Nachsicht? Oder wünscht man dort überhaupt, daß wir uns acclimatisieren und assimilieren? (Zuruf: Nein! Heiterkeit, Beifall und Widerspruch.) Nun, trotzdem werden wir uns bemühen, immer mehr zu

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